Barrieren sind oft unsichtbar

Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit ist leider noch immer nicht selbstverständlich. Zwar hat sich an den Hochschulen in puncto Zugänglichkeit schon einiges getan, trotzdem müssen betroffene Studierende auf ihrem Weg zum Studienabschluss noch viele Barrieren überwinden – zusätzlich zu der Belastung, die eine Behinderung oder chronische Krankheit für jeden individuell bedeutet. Die Herausforderungen sind ebenso vielfältig wie die Beeinträchtigungen.


Seit fünf Jahren berät und unterstützt Alain Kathola in einer Servicestelle der Technischen Universität München (TUM) betroffene Studierende und Studieninteressierte.

Bei den Bezeichnungen „Studieren mit Behinderung“ oder „barrierefreies Studieren“ denken die meisten zuallererst an Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die etwa im Rollstuhl sitzen oder sehbehindert sind. Die gibt es an der TUM natürlich, sie sind aber der weitaus kleinere Teil der Studentinnen und Studenten, die Alain Kathola in der Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende betreut. Der Mehrzahl der Betroffenen, die an seine Tür klopfen, sieht man nicht an, worunter sie leiden. Von Depressionen über Schlafstörungen bis hin zu Lese- oder Rechtschreibschwächen – die Beeinträchtigungen sind genauso vielfältig wie die Probleme, die aus ihnen resultieren.

Deshalb sei es so wichtig, erklärt Kathola, dass die TUM in puncto Barrierefreiheit auch an diesen individuellen Problemen ansetze. Dafür arbeitet er eng mit den einzelnen Fakultäten zusammen, an denen es jeweils einen Ansprechpartner für behinderte oder chronisch kranke Studierende gibt. Der Informatikstudent Max kann sich beispielsweise aufgrund eines Unfalls nicht länger als eine Stunde am Stück konzentrieren, was ihm die Teilnahme an einer mehrstündigen schriftlichen Prüfung praktisch unmöglich macht. Alain Kathola kümmert sich in einem solchen Fall gemeinsam mit der Fakultät und dem Prüfungsausschuss darum, dass der Student einen Nachteilsausgleich erhält und die Prüfung unter fairen Bedingungen, also mit regelmäßigen Pausen ablegen kann. „Schreiben muss er sie natürlich trotzdem selbst“, schiebt Kathola noch hinterher, „wir können hier aber gerechte Rahmenbedingungen schaffen und Hilfsmittel zur Verfügung stellen“.

„Wer sich nicht beraten lässt, wird irgendwann an Grenzen stoßen“

Gerade Studierende oder Studieninteressierte mit psychischen Problemen haben häufig Hemmungen, sich beraten zu lassen – viele aus Angst, ihre Probleme könnten bei Kommilitonen und Dozenten bekannt werden. Deshalb ist die Beratung in der Servicestelle anonym und vertraulich. Alain Kathola möchte Betroffene ermutigen, das Beratungsangebot der TUM zu nutzen, sich Hilfe zu suchen und sich vor allem darüber zu informieren, welche Möglichkeiten sie haben. Die sind nämlich sehr vielfältig. „Und“, fügt Alain Kathola noch hinzu, „ein Studium nur aus Unwissenheit zum Thema abzubrechen oder gar nicht erst anzufangen, finde ich sehr schade“.

„Ich fühle mit, aber ich weiß auch, dass es immer einen Weg gibt – die Freude auf den Erfolg hält mich fit.“

Kalt lassen ihn die Geschichten der betroffenen Studierenden nicht – oft beschäftigen sie ihn weit über den Feierabend hinaus. Wenn Kathola selbst in einem Fall nicht weiter kommt, sucht er das Gespräch mit seinen Kollegen von der Studienberatung: „Das hilft mir sehr, genauso wie der Gedanke an Erfolgserlebnisse, von denen es in meinem Job Gott sei Dank viele gibt“, erzählt er und lächelt. Das Team habe in den vergangenen Jahre gemeinsam viele Barrieren aus dem Weg räumen können – von den sichtbaren Barrieren, die durch den Bau von Rampen oder automatischen Türen zu lösen waren, bis hin zu denen, die für die Masse unsichtbar sind.

 

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Sie interessieren sich für ein Studium an der TUM und möchten sich über barrierefreies Studieren informieren? Melden Sie sich im Studenten Service Zentrum!

Technische Universität München
Studenten Service Zentrum –
Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende und Studieninteressierte
Arcisstr. 21
80333 München


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