Beruf UND Familie – zukunftsfähige Modelle im internationalen Vergleich

Die Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt der TUM veranstaltete am 17. November 2015 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Beruf UND Familie – zukunftsfähige Modelle im internationalen Vergleich“. Mit der Veranstaltung sollten Potentiale und Konzepte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufgezeigt und von Vertretern unterschiedlicher Blickrichtungen (europäische Nachbarn, Arbeitgeber, Wissenschaftler,…) diskutiert werden. Ziel war die Schärfung des Bewusstseins für diese gemeinsame Aufgabe und die Gewinnung von Impulsen für die Umsetzung in der Praxis.


Als Podiumsteilnehmer wirkten mit:

  • Dr. Petra Rüther (Research Manager, SINTEF, Norwegen),
  • Dr. Paul Alibert (Université de Bourgogne, Hochschulattaché für Wissenschafts- und Hochschulkooperation),
  • Prof. Dr. Stefan Winter (LS für Holzbau und Baukonstruktion, TUM),
  • Dr. Alexandra Langmeyer (Leiterin der Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ Abteilung: Kinder und Kinderbetreuung, Deutsches Jugendinstitut e.V.),
  • Dr. Yves Jeanrenaud (Gender Studies in Ingenieurwissenschaften, TUM).

Moderation: Maximilian Reithmann (Student der Kommunikationswissenschaften und Soziologie)

Sich nicht mehr entscheiden müssen zwischen Beruf und Familie - welche Arbeitsmodelle können helfen, Arbeits- und Familienwelt besser miteinander zu vereinbaren? (Foto: Uli Benz)

Sich nicht mehr entscheiden müssen zwischen Beruf und Familie – welche Arbeitsmodelle können helfen, Arbeits- und Familienwelt besser miteinander zu vereinbaren? (Foto: Uli Benz)

Nach der Begrüßung durch den Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Roland Pail, stellten sich die einzelnen Gäste kurz mit ihrem beruflichen und familiären Hintergrund vor. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion über die unterschiedlichen Modelle der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in verschiedenen Ländern Europas, die sich durch unterschiedliche Rahmenbedingungen aber auch durch kulturelle Eigenschaften der Gesellschaft ergeben.

So ist in Norwegen die Vereinbarkeit vom Familie und Beruf selbstverständlich während Vater und Mutter voll berufstätig sind. Die Elternzeit beträgt dort ein Jahr bei vollem Lohn, anschließend stehen ausreichend Kindertagesstätten-Plätze zur Verfügung. Der Schulbetrieb umfasst auch die Nachmittagsbetreuung der Kinder, die durch gesellschaftlich übliche frühe Arbeitszeiträume bis ca. 16 Uhr gesichert ist.
Es wurde deutlich, dass die verschiedenen Kulturen durch unterschiedliche Familien-Ernährermodelle geprägt sind (D stark, F moderat, Skandinavien schwach) und damit unterschiedliche Leistungserwartungen an den Staat bestehen – das bildet sich auch in den unterschiedlichen Teilzeitquoten ab.

Auch die Präsenz am Arbeitsplatz wird in den Ländern unterschiedlich bewertet: Während in Deutschland eine hohe Präsenzzeit am Arbeitsplatz eine grundlegende Voraussetzung für Karriere ist, nimmt die dauerhafte Anwesenheit in Skandinavien und Osteuropa neben anderen Faktoren einen geringeren Stellenwert ein. Die Dringlichkeit eines Umdenkens in der deutschen Unternehmenskultur jedoch wird nicht zuletzt durch den sich immer stärker abzeichnenden Ingenieursmangel unterstrichen. Durch die zunehmende Verteilung der Elternrolle auf beide Elternteile, sieht sich ein wachsender Anteil der Mitarbeiter mit den Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf konfrontiert. Sie fordert die Akzeptanz innerhalb der Unternehmen und fördert die Nutzung verschiedener Vereinbarkeitsmodelle innerhalb einer Firma. So berichtet Prof. Winter aus seinem mittelständischen Ingenieurbüro, dass mittlerweile alle Väter die Elternzeit nutzen, allerdings meist nur die Ingenieurinnen in Teilzeit zurückkehren.
Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen reagieren mittlerweile flexibel auf die sich ändernden Anforderungen (z.B. Teilzeitmodelle, Homeoffice) und beschäftigen zudem mehr Frauen als früher. In Großunternehmen herrscht oft noch ein ungünstiges Umfeld für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Aus Sicht des Kinderwohls ist die Qualität der Kinderbetreuung wesentlich, dabei spielt der zeitliche Umfang der Fremdbetreuung eine vergleichsweise kleinere Rolle. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass das Zeitbudget, in dem sich Eltern mit Ihren Kindern beschäftigen, nicht zwangsläufig unter der erhöhten Erwerbstätigkeit der Eltern leidet.

Im Ergebnis lässt sich zusammenfassen, dass durch individuelle familiäre Voraussetzungen keine allgemeingültigen Lösungswege definierbar sind. Vielmehr muss weiter an der Schaffung unterschiedlicher Möglichkeiten und Modelle gearbeitet werden, die langfristig für Eltern die berufliche Weiterentwicklung mit Familie selbstverständlich werden lassen. Zentrales Problem bleibt der Notstand an bezahlbarer, akzeptabler, erreichbarer und flexibler Kinderbetreuung in Deutschland für alle Altersgruppen.

 

Weiterführende Informationen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an der TUM: TUM.Family – Familienservice

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