eLearning Beratung an der TUM

Michael Folgmann ist am Medienzentrum der TUM für die eLearning Beratung zuständig. Im Interview erzählt er uns, wie er vorgeht, um anderen Lehrenden sinnvolle Einsatzszenarien digitaler Medien aufzuzeigen und welchen Mehrwert sie auch als Ergänzung klassischer Veranstaltungsformate haben können.


Herr Folgmann, seit einem knappen Jahr sind Sie Berater für eLearning-Methoden am Medienzentrum der TUM. Was ist dort Ihre Aufgabe?

Folgmann: Als eLearning-Berater gehe ich pro-aktiv auf die Lehrenden zu und spreche mit Ihnen darüber, inwieweit diese bereits digitale Medien in der Lehre einsetzen. Wenn ich ihnen neue Tools und Methoden vorstelle, geht es allerdings nicht darum, sie zur Nutzung digitaler Medien zu missionieren. Es gibt durchaus

Michael Folgmann vom Medienzentrum der TUM berät Lehrende zum Einsatz digitaler Medien. Foto. ccc

Michael Folgmann vom Medienzentrum der TUM berät Lehrende zum Einsatz digitaler Medien. (Foto: TUM).

gute Gründe, digitale Medien nicht einzusetzen – zum Beispiel wenn sie keinen Mehrwert für die Lehre schaffen. Mir ist es wichtig, dass die Lehrenden objektiv über den Einsatz digitaler Lehrmethoden entscheiden und diese nicht per se befürworten oder ablehnen – das geht nur, wenn man es selbst mal ausprobiert hat. Meistens demonstriere ich in Beratungen einfache Tools mit großer Wirkung, z.B. das Live-Feedbacksystem Tweedback, das die Interaktion in großen Vorlesungen unterstützt. Sehr oft kommen die Lehrenden anschließend von selbst auf mich zu und fragen „gibt es da noch mehr?“.

Wie groß ist die Nachfrage für den Einsatz von digitalen Hilfsmitteln bei den Lehrenden?

Folgmann:  Ich denke, viele Lehrende sind generell offen für solche Konzepte. Was fehlt, ist die Zeit. Die Forschung steht an erster Stelle, die Lehre bleibt da ein bisschen auf der Strecke. Neue Lehrkonzepte werden immer dann gerne angenommen, wenn sie eine echte Erleichterung bringen und dabei keinen Mehraufwand verursachen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung als Dozent.

In Ihrer Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter haben Sie in Ihren Seminaren ungewöhnliche Methoden angewandt. Wie darf man sich eine Veranstaltung bei Ihnen vorstellen?

Folgmann: In meinem Seminar „Aktuelle Themen der Pädagogik“ erstellten die Studierenden beispielweise ein Audio- oder Videopodcast anstelle eines Referats und beteiligten sich aktiv an einem Blog. In meiner Vorlesung „Arbeitspädagogik“ kamen zum Beispiel Live-Abstimmungen mittels Pingo oder Live-Feedback über Twitter gut an.

Aber nicht jeder Student hat dafür die technischen Möglichkeiten oder?

Folgmann: Naja, viele Sachen lassen sich bereits ganz einfach mit den vorhandenen Smartphones und Laptops der Studierenden machen. Für das Seminar schaffte ich 2011 aus Studienbeiträgen 25 iPads für die School of Education an. Diese konnten die Lehramtsstudierenden dann für das komplette Semester ausleihen, um die digitalen Arbeitsaufträge zu bewältigen.

Welche Vorteile haben Ihre Methoden im Vergleich zur herkömmlichen Lehre?

Folgmann: Wenn ich jetzt die Vorlesung als Beispiel nehme, dann sicherlich die stärkere Partizipation der Studierenden. Ab 50-60 Teilnehmern geht der einzelne Student gerne in der Masse unter, die aktive Beteiligung geht gegen null. Eine Live-Abstimmung bindet die Studierenden aktiv ein, erhöht die Aufmerksamkeit und die bewusste Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. Das ist ein echter Mehrwert. Man könnte natürlich auch eine Handabstimmung ohne digitale Medien versuchen, aber das ist nicht dasselbe. Die Stärke der Abstimmungstools ist die Anonymität: Jeder kann mitmachen und man muss sich trotzdem nicht outen.

Wird die Lehre durch digitale Medien besser?

Folgmann: Digital verschlechtert oder verbessert die Lehre nicht per se, sondern ist oft eher ein Verstärker. Wenn das Lehrkonzept nicht stimmt, wird es durch den Einsatz digitaler Medien nicht besser. Im Gegenteil: Disziplinprobleme beispielweise bekommen eventuell ein zusätzliches Ventil.

Sie werden es nicht vermuten, aber ich bin eigentlich kein Freund der Digitalisierung. Ich glaube, handschriftliche Notizen in der Vorlesung sind besser als heruntergeladene Powerpointfolien. Was man in einem echten Buch liest, merkt man sich besser als beim Bildschirmlesen.

Interessant, das von Ihnen zu hören. Ist das nicht ein Widerspruch zu Ihrer Arbeit?

Folgmann: Nein. Ich glaube, der Einsatz digitaler Medien kann – an der richtigen Stelle eingesetzt – sehr sinnvoll sein. Das heißt aber nicht, dass digital immer gut ist. Notizen formulieren erfordert aktives Mitdenken und das Schreiben mit der Hand ist bereits die erste Wiederholung des Lernstoffs. Der Vorzug von Papier kommt besonders beim Lesen langer und komplexer Lerntexte zum Tragen. Unser Gehirn speichert Informationen immer ortsgebunden. Wenn wir einen Text auf Papier lesen, gibt es viele Ortsinformationen: Steht die Information auf der linken oder rechten Seite und wie weit hinten im Buch, das Buch lagert im Regal links oben usw. Das sind zusätzliche Verknüpfungen im Gehirn. Bei digitalen Texten wie PDFs oder eBooks fehlt diese Informationen. Man muss also genau hinschauen, wo sich digitale Medien fürs Lernen eignen oder wo klassische Methoden effizienter sind.

Sie sind Lehrende/r an der TUM und haben Fragen zum eLearning? Die dezentrale eLearning-Beratung des Medienzentrums bespricht mit Ihnen vor Ort alle Fragen zum Einsatz digitaler Medien und Tools in der Lehre. Gerne können Sie Michael Folgmann hierfür direkt kontaktieren.

3 Kommentare zu “eLearning Beratung an der TUM”

  1. Julian

    Tolles interview!! Ich kenne persönlich Michael Volkmann, er ist bei eLearning-Methoden einer der besten und sicher erhöht die Qualität des Studiums!!

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  2. BAS

    Sehr interessanter Beitrag. Wir haben das Thema auch auf unserem Blog behandelt und kamen zum gleichen Entschluss. Vorgelesene Powerpointfolien stören die Präsentation. Der digitale Fortschritt sollte immer dann genutzt werden, wenn er einen Mehrwert hat. Bei einem Studenten muss davon ausgehen, dass er solch eine erstellen kann. Daher muss er das den Zuhörern nicht explizit beweisen. Grüße

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  3. Michael

    Die Verknüpfungen des mit der Hand geschriebenen kenne ich zu gut. Oft weiß ich bei Abfrage von wissen anhand kleiner Dinge, wo was steht. Sei es, weil ich dort was durch gestrichen habe, es an einer besonderen Stelle dazu geschrieben oder sonst ähnliches. Es lässt sich am besten lernen, sobald es ein mal nieder geschrieben hat. Auch, wenn man sich eine eigene Gliederung dabei macht, hat man meist schon die Hälfte im Kopf behalten. Allerdings befürworte ich neue Technologien. Die Verbindung beider ist für mich die optimale Lösung. Durch Digitale Informationen kann man die Informationen überall abrufen, mit der Verschriftlichung parallel einprägen.

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