Humor in der Lehre: Interview mit Prof. Michael Suda

Humor und Lehre – zwei Begriffe, die in der Regel nicht unbedingt direkt miteinander verknüpft sind. Anders bei Professor Michael Suda, Lehrstuhlinhaber für Wald- und Umweltpolitik an der TUM School of Management. Der Forstpolitiker erhielt bereits mehrere Auszeichnungen für gute Lehre und setzt seit vielen Jahren Humor bewusst in der Lehre ein.

Humor in der Lehre (Foto: Prof. Suda)

Humor in der Lehre erhöht die Aufmerksamkeit                       (Foto: Prof. Suda)

 

Kann Humor denn erlernt werden, oder ist das nicht eine Typsache?

Suda: Man neigt oftmals dazu, Menschen in bestimmte Typen oder Schubladen einzuteilen. Da könnte man dann natürlich sagen: Es gibt die einen Typen, die kann man in die Anti-Humor-Schublade packen, und die anderen passen in die Humor-Schublade.

Ich glaube, jeder hat Humor auf eine bestimmte Art und Weise. Man kann allerdings nicht zu jeder Zeit, in jeder Stimmung lachen, sondern es gibt Situationen, da ist man eher humorvoll aufgelegt. Und es gibt eben Zeiten, da passt der Humor nicht so sehr. Das ist das eine.

Zum anderen: Humor kann man nicht lernen, sondern Humor kann man in sich entdecken. Das ist eine Reise, die man nach innen macht: Die Suche nach dem inneren Clown. Wenn man also diesen inneren Clown entdeckt hat, und ihm ab und zu auch mal eine Chance gibt, nach außen zu treten, dann nehmen die anderen das als humorvoll wahr. Man selbst empfindet es vielleicht als peinlich, obwohl es das gar nicht ist.

Also: Jeder hat Sinn für Humor. Es gibt Menschen, die in der Lage sind, diesen inneren Narr oder inneren Clown stärker nach außen zu tragen, und manche, die sich das ihr ganzes Leben nicht trauen.

Wie passen Wissenschaft und Humor zusammen?

Suda: Wissenschaft ist ja eine ernste Sache, an wahr und falsch gebunden. Wissenschaft muss korrekt sein, und da hat Humor häufig eine Nebenrolle. Viele gehen davon aus, dass wenn etwas mit Humor vortragen wird, es dann die Ernsthaftigkeit verliert. Und das ist eben ein großer Irrtum, weil der Humor dazu führt, dass die Zuhörer viel aufnahmebereiter sind.

Eine Theorie, die beschreibt, was Menschen zum Lachen bringt, ist die Wechseltheorie. Diese Theorie erklärt, warum Kabarett-Duos die Leute so gut zum Lachen bringen. Man findet das zum Beispiel bei Dick und Doof, bei Asterix und Obelix – immer dort, wo zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen. Im Ursprung gehen diese Charaktere zurück auf die Figuren Weißclown und August. Der Weißclown ist der Herrscher des Wissens, der immer kontrolliert durch diese Welt geht. Das ist letztendlich auch die Rollenerwartung an die Wissenschaftler, die „Herrscher des Wissens in Weiß“. Dem gegenüber steht ein August, der eher verspielt durch diese Welt geht, und ständig Fragen stellt: Warum, Wieso, Weshalb. Er stellt also den Elfenbeinturm des Wissens dauernd in Frage. Der eine ist humorvoll, der andere nicht. Der Humor entsteht bei der Wechseltheorie durch das Zusammenspiel der beiden.

Als Wissenschaftler macht man sich also nicht zum Clown, sondern der Humor kann dadurch entstehen, dass man manchmal die eigene Erkenntnis oder auch den eigenen Erkenntnisprozess in Frage stellt. Es fängt damit an, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, eine Relativierung des Selbst vorzunehmen, was zu einem anderen Weltbild führt.

Wenn man es schafft, ein bisschen mehr Humor und Leichtigkeit in die Wissensvermittlung zu bringen, ohne die Prägnanz zu verlieren – das ist die Kunst des Ganzen.

Inwiefern kann Humor eine positive Lernatmosphäre schaffen, und somit auch den Lernerfolg der Studierenden erhöhen?

Suda: Darüber gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungen, welche hauptsächlich bei Lehrern gemacht wurden. Bei diesen Untersuchungen geht es um humorvollen Persönlichkeiten, oder um humorvolle Gesamtsituationen im Unterricht. Dabei zeigen sich wunderbare Effekte: Die Leute kommen häufiger in den Unterricht und die Aufmerksamkeit erhöht sich. Sie können sich besser an den Lernstoff erinnern, und liefern bessere Prüfungsergebnisse. Insgesamt gilt: Man erhöht die Motivation und die Kreativität, und man reduziert Angst, Stress, sowie Konflikte.

Als Effekte zeichnen sich also lauter positive Aspekte ab. Allerdings ist dies nur gültig für den positiven Humor. Der positive Humor ist immer verbunden mit einer Wertschätzung des Gegenübers. Im Gegensatz dazu hat ein negativer Humor, also Humor, der stark auf Zynismus, Spott oder Bedienung von Stereotypen abzielt, im Gesamteffekt eine negative Wirkung. Man erzielt vielleicht mal einen Lacher, wenn man einen Witz auf Kosten anderer macht, aber letztendlich wirkt es insgesamt negativ. Das zeigt sich übrigens auch in den empirischen Auseinandersetzungen. Es geht also ganz stark darum, eine positive Atmosphäre zu schaffen.

Auch die richtige Dosis spielt eine Rolle. Zu viel Humor geht den Zuhörern auf die Nerven, weil diese ja auch etwas Inhaltliches von Ihnen wollen. Zwei bis drei humorvolle Interventionen pro Stunde, das ist schon ausreichend. Humor ist außerdem das zusätzliche Mittel: Die Begeisterung für das, was ich vermittle, muss vorhanden sein, und kann nicht durch Humor ersetzt werden.

 

Positive Lernatmosphäre durch Humor (Foto: pexels.com)

Humor kann eine positive Lernatmosphäre schaffen (Foto: pexels.com)

 

Sie geben auch spezielle Kurse zum Thema Humor. Was vermitteln Sie in diesen Kursen? Und haben Sie einen „goldenen“ Tipp für Dozierende, die mehr Humor in Ihre Lehre einbauen möchten?

Suda: Die Kurse sind in der Regel zweitägig. Denn alles, was kürzer ist, führt in der Regel nicht dazu, dass sich die Teilnehmer intensiv mit sich und ihrem Humor beschäftigen. Insgesamt geht es darum, wie man mit Humor-Elementen eine andere Nuance in die Veranstaltung bringen kann. Viele didaktische Elemente sind darin zu finden, die dann eine Prise Humor abbekommen.

Zum einen geht es um die Wirkung von Humorsituationen im Unterricht, um die Wirkung von Lachen. Das ist die Legitimationsbasis. Dann sollen die Teilnehmer herausfinden: Was bringt mich zum Lachen, wo liegen meine eigenen Humor-Ressourcen. Außerdem ist das Ausprobieren sehr wichtig: Es werden viele Übungen im Team gemacht, sodass man ausprobieren kann, was zu einem passt und was nicht.  Das Lernen voneinander im Team ist sicherlich etwas, wovon die Teilnehmer am meisten profitieren.

Und der goldenen Tipp wäre: Anfangen und Ausprobieren. Am besten setzt man sich einmal eine Vertrauensperson in die Veranstaltung, die einem hinterher berichtet, wie es war. Man sollte auch nicht zu schnell anfangen, sondern mit kleinen, einfachen Dingen beginnen. Und sich vor Augen halten: Das Ziel besteht letztendlich darin, eine positive Atmosphäre zu schaffen. Das kann durch Humor gelingen, aber auch durch andere Dinge.

Was ist für Sie die größte Herausforderung in der Lehre?

Suda: Gegenwärtig ist für mich eine Herausforderung: Wie kann es mir gelingen, Elemente aus meiner Zaubertrick-Sammlung sinnvoll in die Vorlesung einzubauen, sodass ich damit den Stoff am Ende noch einmal zusammenfassen kann. Das können bestimmte Zaubertricks sein, die thematische Aspekte der Vorlesung aufgreifen, oder auch komplexe Rätsel, bei denen ein raffinierter Trick dahinter steckt, um unterschiedliche Elemente zusammenzufassen. Da denke ich mir Dinge aus, probiere etwas aus, und stelle dann vielleicht doch fest- es passt nicht. Ich habe eine Vorlesungsgruppe, bei der ich gut experimentieren kann. Das ist mein Resonanzboden für Humor und für alles, was ich ausprobieren möchte.

 

Kommentar hinterlassen

  • (will not be published)

Sie können folgende XHTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>