Mehr als nur Bier!

Seit dem Mittelalter wird in Weihenstephan Bier gebraut. Daher verwundert es nicht, dass an diesem geschichtsträchtigen Ort auch eine der ältesten Studienfakultäten für Brauwesen zu finden ist: 2015 feiert sie ihr 150-jähriges Jubiläum. Wir haben mit zwei Master-Studierenden für „Brauwesen und Getränketechnologie“ gesprochen: Raik Bär (22) studiert im ersten, Nadja von Nessen (24) studiert im zweiten Semester.


Frau von Nessen, Herr Bär, mit welchem Lebensgefühl verbinden Sie Bier?

Nadja von Nessen: Für mich bedeutet Bier Geselligkeit; zum Beispiel wenn man grillt und dazu ein Bier trinkt. Ich mag aber auch den süßlichen Geruch, der beim Brauen, besonders beim Maischen entsteht. Wenn ich zum Beispiel morgens den Weihenstephaner Berg hochgehe und mir das typische Brauereiaroma entgegenweht, freue ich mich …

Raik Bär: Mir fällt dazu ein, auf einer Berghütte in der Sonne zu sitzen und ein Weißbier zu trinken. Oder die Atmosphäre auf einem Volksfest, wenn man mit Freunden gemütlich zusammen feiert.

Was macht das Studium aus?

Bär: Was den Studiengang so spannend macht ist der spezielle Fächermix: Das Studium ist weit gefasst und an wissenschaftlichen Grundlagen orientiert: Mathematik, Physik, Biologie und auch BWL spielen eine wichtige Rolle. Dazu kommen noch die Verfahrenstechnik beziehungsweise die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung. Nicht umsonst arbeiten viele Absolventen des Studienfachs auch im klassischen Anlagenbau.

Bier schmeckt nicht nur, sondern ist auch ein interessantes Studienobjekt: Nadja von Nessen und Raik Bär machen ihren Master im Studiengang Brauwesen und Getränketechnologie. (Bild: B. Wankerl / TUM)

Bier schmeckt nicht nur, sondern ist auch ein interessantes Studienobjekt: Nadja von Nessen und Raik Bär machen ihren Master im Studiengang Brauwesen und Getränketechnologie. (Bild: B. Wankerl / TUM)

v. Nessen: Auch der Standort spielt eine Rolle: Freising und Weihenstephan haben eine besondere Bierkultur und eine lange Tradition. Aber im Studium geht es ja nicht nur um Bier: Wir beschäftigen uns generell mit allen Getränken, also auch alkoholfreien. Außerdem kann man Vorlesungen zur Wein- oder Brennereitechnologie besuchen. Auch Lebensmitteltechnologie spielt eine Rolle.


Warum haben Sie sich für Brau- und Getränketechnologie entschieden?

v. Nessen: Mein Vater war Getränkebetriebsmeister, und ich wollte schon als Kind im gleichen Beruf arbeiten. Meine Cousinen, die bei der Agentur für Arbeit beschäftigt sind, gaben mir den Tipp für den Studiengang Brau- und Getränketechnologie – und so stand mein Berufswunsch eigentlich schon mit 14 fest.

Bär: Ich habe erst nach dem Abi überlegt, in welche Richtung es gehen soll. Mein Vater brachte mich auf die Idee, Brauwesen zu studieren. Also habe ich mir den Studiengang angesehen und festgestellt, dass die Inhalte sehr interessant sind und weit über das Bierbrauen hinausgehen. Es war die richtige Wahl – ich würde mich jederzeit wieder für das Fach entscheiden.

Wie spielt sich der Studienalltag ab?

v. Nessen: Im Masterstudium können wir die Praktika frei wählen: Ich zum Beispiel habe alle Praktika schnell hintereinander gemacht, so hatte ich einen Schwerpunkt mit Vorlesungen, dann im Labor. In den vergangenen sechs Wochen habe ich verschiedene Praktika in der Industrie absolviert.

Bär: Nadja hat ja verschiedene Praktika gemacht. Ich habe mich im Masterstudium für ein 180-stündiges Forschungspraktikum an einem Lehrstuhl entschieden, in dem ich auch unterschiedliche Betriebe besucht habe. Dabei ging es vor allem um technische Abnahmen von Abfüllanlagen.

v. Nessen: Einen großen Teil des Studiums verbringt man natürlich in der Forschungsbrauerei. Ich habe zum Beispiel auch am IGL-Wettbewerb (Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel, die Red.) teilgenommen, für den wir ein Bier mit zwei verschiedenen Hefestämmen gebraut haben.

Was begeistert Sie an Ihrem Studium am meisten?

v. Nessen: Das Studium wird nie langweilig, weil wir so viele verschiedene Inhalte vermittelt bekommen. Deswegen können wir nach unserem Abschluss auch in ganz unterschiedliche Bereiche gehen. Ich mag auch die Menschen in der Branche – und besonders hier in Weihenstephan fühle ich mich sehr aufgehoben: Die Dozenten sind sehr aufgeschlossen und zugänglich.

Bär: Mich fasziniert am Produkt „Bier“, besonders, dass es ein so komplexes Getränk ist. Am Studium gefällt mir, dass es so breit gefächert ist – auch wenn mir manche Fächer nicht so liegen … da muss man eben durch. Gut ist auch der Zusammenhalt unter den Studenten der verschieden Semester, wir unterstützen uns gegenseitig, zum Beispiel bei Prüfungen. Und über unseren Alumni-Verband VEW sind wir auch mit der Industrie gut vernetzt.

Wissen Sie schon, was Sie nach dem Studium machen wollen?

Bär: Ich möchte an der Uni bleiben und ein Promotionsstudium dranhängen, ein Thema habe ich aber noch nicht im Augen.

v. Nessen: Bei mir ist noch alles offen, aber ich möchte auf jeden Fall in der Getränkeindustrie arbeiten.

 

 

 

Infos zum Studium finden Sie auf den Seiten der Studienfakultät für Brau und Getränketechnologie.

Infos zum Tag des Bieres der TUM finden Sie auf unserer Facebook Seite.

8 Kommentare zu “Mehr als nur Bier!”

  1. Leander

    Bin grad völlig fasziniert von dem Studiengang. Hab bisher noch gar nichts davon gehört gehabt. Braucht man da eigentlich einen NC? Wollte schon gern Richtung Naturwissenschaften studieren und hier hat man eine Kombi aus allen möglichen Bereichen. Wirklich eine Überlegung wert 🙂
    Danke für den interessanten Beitrag.

    Antworten
  2. Andreas Schmidt

    Hallo Leander, das freut uns. Der Bachelor Brau und Getränketechnologie kann ohne Zulassungsbeschränkung studiert werden, der Master mit einem sogenannten Eignungsfeststellungsverfahren.
    Nähere Informationen zu den Zulassungsarten an der TUM finden Sie hier: http://www.tum.de/studium/bewerbung/arten-der-zulassung/

    Für Unentschlossene bieten wir übrigens auch ein Orientierungsstudium in den Natur- und Lebenswissenschaften an – das studium naturale: http://studiumnaturale.wzw.tum.de/index.php?id=2

    Schöne Grüße

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  3. Leander

    Hallo Andreas,

    danke für die schnelle Antwort. Habe mir den Link zu den Zulassungsdaten mal angeschaut – danke auch dafür! Kann man sich vielleicht auch mal als Gast in eine Vorlesung setzen oder in ein Labor „schnuppern“ kommen?

    Viele Grüße Leander

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  4. Tim

    Hallo,

    vielen Dank für diese Einblicke in einen echt interessanten Studiengang! 🙂

    Vor Kurzem hatte ich schon von eurem Studiengang „Brauwesen“ gelesen und mich gefragt, was sich genau dahinter verbirgt. Durch Zufall habe ich jetzt dieses Interview gefunden.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das Studium abwechslunsgreich und die Inhalte sehr intessant sind. Und dass man sich als Studentin oder Student öfter mal mit dummen Vorurteilen rumschlagen muss. Aber das Risiko würde ich eingehen. 🙂

    Schöne Grüße
    Tim

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  5. Laura

    Sicher ein total spannendes Studium. Ich habe mal eine Bierverkostung inkl. Führung durch die Brauwelt gemacht, wirklich eine tolle Erfahrung. In dem Studium würde ich vermutlich an Mathe und Physik scheitern, daher bleibe ich lieber beim verkosten 🙂

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