MOOCs im Test: Coursera

Wie wir wissen, ist es mit dem Lernen wie mit dem Rudern gegen den Strom und MOOCs (massive open online courses) erscheinen im Moment als eine Art allgegenwärtiger Außenborder. Während Lehrende und Lernende aufgeregt darüber diskutieren, wie MOOCs die Universitäten künftig verändern, gar „revolutionieren“ werden, hatte ich das Bedürfnis, einfach mal einen Kurs auszuprobieren. Deshalb habe ich mich im April diesen Jahres bei coursera – der bislang größten Plattform für Onlinekurse – angemeldet.


Take the world's best courses, online, for free. - Dies verspricht Coursera (Grafik: Coursera)

Take the world’s best courses, online, for free. – Dies verspricht Coursera (Grafik: Coursera)

Das Angebot umfasst derzeit 386 Kurse, über 90% sind in englischer Sprache. Ein Kurs wird in Deutsch angeboten und zwar – tada – von der TUM. Außer nach Sprachen kann natürlich auch nach Fachbereichen und dem Startzeitpunkt sortiert werden, so dass man relativ schnell interessante Kurse findet. Hat man sich für ein paar Kurse angemeldet, erhält man auch Empfehlungen für ähnliche Kurse. Auch wenn die Themen stellenweise sehr speziell sind, ist das Level stets auf Einsteigerniveau. Die Kurse dauern in der Regel zwischen 6 und 12 Wochen, das Arbeitspensum ist nach Wochen strukturiert, kann aber flexibel und selbstständig erfüllt werden.

Aus dem Angebot habe ich mich zunächst für vier Kurse angemeldet – das geht per Mausklick und nochmaligem Klick auf den Link in der Bestätigungsmail. In allen Kursen die ich mir angeschaut habe, war die Struktur gleich: Begrüßung und Aktuelles, Ressourcen – also Literatur, Software und Vorlesungsskripte, FAQ´s, Wikis, Vorlesungsaufzeichnungen und ein Diskussionsforum. Unter dem Punkt „Übungen“ wird es dann ernst: hier gibt es zum einen Hausaufgaben und Quizzes, letztere sind immer nach Wochen und demnach nach den jeweils behandelten Themen strukturiert, erstere sind in der Regel deutlich umfassender. Bei den Hausaufgaben gibt es manchmal auch sogenannte „peer assessments“ – das sind Aufgaben, wie beispielsweise das Bauen kleiner Apps, die dann durch 5 zufällig ausgewählte Kommilitonen nach festen Kriterien bewertet werden. Für beide Prüfungsarten gibt es Punkte, die in eine etwaige Abschlussbewertung einfließen. Dafür müssen die Aufgaben vor einer harten Deadline (bei Quizzes immer nach Kursende, bei Hausaufgaben meist im Wochenrhythmus) erledigt werden. In manchen Kursen gibt es auch weiche Deadlines, nach deren Überschreiten die Aufgaben nur noch zu einem gewissen Prozentteil in die Abschlussbewertung eingehen. Bei jedem Quiz geht der bessere von zwei Versuchen in die Bewertung ein. Hier ist mir aufgefallen, dass manche Lehrende dies nicht in die Konzeption ihrer Aufgaben mit einbeziehen – bei Multiple Choice-Aufgaben erhöhen zwei Versuche die Chance richtig zu raten schon auf 50/50, bei dichotomen (wahr/falsch) Fragen aber auf 100%. Allerdings waren dies auch stets Kurse, die keine Teilnahmebestätigungen oder Zertifikate vergeben – so dass die Aufgaben tatsächlich nur den eigenen Lernerfolg überprüfen.

In den Foren finden sich manchmal auch „hang outs“ – also fest terminierte Chats, die auch einen Austausch in Bild und Ton ermöglichen. Wem dies immer noch nicht genug sozialer Kontakt ist, hat die Möglichkeit, sich in „meetups“ tatsächlich face to face zu begegnen. Die Chancen, dass man sich dabei auch tatsächlich über Inhalte eines Kurses austauscht stehen aber eher schlecht – so sind derzeit 77 „Courserians“ in München gelistet, so dass diese Treffen wohl eher dem allgemeinen Austausch dienlich sind.

Resümierend lässt sich festhalten, dass die Materialien sehr umfassend und gut strukturiert sind. Vor allem der wöchentliche Aufbau ist in den Kursen die ich belegt habe sehr gut gelungen, so dass sukzessive auf dem bisher Erlernten aufgebaut wird, die einzelnen Blöcke aber auch gut nachgelernt werden können.

Leider habe ich bei meiner Kursauswahl nicht darauf geachtet, ob auch ein Zertifikat vergeben wird – wurde es nämlich nicht. Deshalb kann ich an dieser Stelle auch nicht berichten, ob es einfach ist, ein solches zu erhalten. Die Regeln und das Prozedere sind in allen Kursen gleich – allerdings ist zu vermuten, dass die Aufgabenstellungen in Kursen mit Zertifikaten weniger Manipulationen zulassen. Auch coursera nutzt mittlerweile die Dienste von ProctorU – eine Art Klausuraufsicht via Webcam – um über Zertifikate hinaus auch anrechenbare Credits zu vergeben. Aber auch abseits von Zertifikaten und Credits ist coursera eine tolle Möglichkeit, in andere Bereiche hinein zu schnuppern, sein Wissen zu erweitern und weiter zu rudern.

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3 Kommentare zu “MOOCs im Test: Coursera”

  1. Prof. Dr. Kira Klenke

    Danke schön für diesen sehr interessanten Artikel. Ich bin Professorin an der Hochschule Hannover und wollte schon selber immer mal testen (hab’s aber bisher noch nicht), wie die „world’s best courses bei Coursera“ faktisch ablaufen.
    Hört sich ja gar nicht schlecht an, was Sie berichten.
    Ich glaube, diese Entwicklung wird in Zukunft noch eine große Rolle spielen & beobachte die Entwicklung sehr gespannt.

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  2. Mathias Assmann

    MOOCs sind eine gute Sache, wenn sie als Ergänzung zur Präsenzlehre verstanden werden. Ich fürchte jedoch, dass manche Politiker in guten MOOCs auch Begründungen suchen werden, um wichtige Gelder für Hochschulen zu kürzen, doch die Empirie zeigt, dass MOOCs Präsenzlehre nicht ersetzen können. Für den Lernerfolg ist die Verbindung zwischen Dozent und Lernenden in den meisten Fällen sehr wichtig.

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