Qualitätsmanagement Fernost – meine Reise zu TUM Asia

Fahrten zur Fakultät für Medizin beim Klinikum rechts der Isar, an den Georg-Brauchle-Ring zur Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft, nach Garching, nach Weihenstephan – das ist natürlich Alltag für unser Team, das an der TUM die Evaluation von Lehrveranstaltungen und Studiengängen unterstützt. Aber Singapur? Als Mitarbeiter des Hochschulreferats Studium und Lehre hatte ich nicht damit gerechnet, mal eben eine Dienstreise in die südostasiatische Metropole anzutreten.


Singapore Polytechnic (Foto: Wikimedia Commons)

Singapore Polytechnic (Foto: Wikimedia Commons)

Das dortige German Institute of Science and Technology (GIST) von TUM Asia ist die erste Ausgründung einer deutschen Universität im Ausland und hat im letzten Jahr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Der Standort ist mit Bedacht gewählt: Singapur ist asiatisches Technologie- und Logistikzentrum, wirtschaftlich sehr erfolgreich, für fast alle asiatischen Wirtschaftsnationen direkt in Reichweite und, was hinzukommt: die gemeinsame Sprache der multiethnischen Bevölkerung Singapurs ist Englisch. Das GIST bietet in enger Zusammenarbeit mit den Partneruniversitäten National University of Singapore (NUS) und der Nanyang Technological University (NTU) fünf verschiedene Masterstudiengänge an. Mit TUM CREATE verfügt man über eine eigene Forschungs-Tochter, die sich dem Thema Elektromobilität in tropischen Megacities verschrieben hat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM sowie Dozierende der Partneruniversitäten führen die Lehrveranstaltungen in den Studiengängen durch.

Auch hier wird die Qualität von Studium und Lehre regelmäßig evaluiert – mit dem Ziel, durch die Anregungen der Studierenden die Lehr- und Lernqualität weiter zu verbessern (mehr zur Evaluation von Studium und Lehre an der TUM). Bislang wurden die Fragebögen bei GIST allerdings noch manuell ausgezählt und die Befragungsergebnisse dann in Listen übertragen. Ein mühsames Unterfangen. Die TUM verfügt mit EvaSys aber über eine moderne, hochschulweit eingesetzte Evaluationssoftware, die sowohl die automatisierte Auswertung von Online- als auch von Papierumfragen ermöglicht. Durch die Interpretation der so gewonnenen Daten können die Studiengangsverantwortlichen in Gesprächen entscheiden, ob sich durch Drehen der ein oder anderen Stellschraube eine weitere Verbesserung des Studiengangs erreichen lässt.

Es lag also mehr als nahe, die Lehrevaluation für die Studiengänge in Singapur ebenfalls mit EvaSys durchzuführen. Dies umso mehr, da die Evaluationssoftware als Webserver läuft und deswegen an allen Standorten der TUM eingesetzt werden kann.

Nachdem bei GIST die beiden Optionen Papier- und Onlinebefragungen verglichen worden waren, einigte man sich dort auf letztere Variante. Am Hochschulreferat wurde zwar ein eigener Teilbereich in EvaSys zum Testen eingerichtet, aber es zeigte sich schnell, dass das Handbuch und Erklärungen per Mail und Telefon (bei sieben Stunden Zeitunterschied) sowie die angebotene Unterstützung per Remote-Tool bei einer komplexen Software wie EvaSys nicht ausreichten, um die Evaluation für einen ganzen Teilbereich umzustellen. Ich fahre also nach Singapur, um die ersten Schritte bei der Einrichtung mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort gemeinsam zu gehen und die Funktionen dieser hilfreichen Anwendung zu demonstrieren.

Nach Terminabsprache, Vorbereitung, Flugsuche und der Klärung der Formalien fährt der deutsche Gast also, 16 Stunden nachdem er Anfang April ein winterliches Deutschland verlassen hat, in einer Metro durch die Tropennacht, während von allen Seiten englische, chinesische, malaiische und tamilische Gesprächsfetzen auf ihn einströmen. Nach dem Verlassen der Metrostation bietet sich dann der sprichwörtliche Eindruck der feuchtwarmen Wand, gegen die man prallt – Flughafen, Metrostationen und die Metro selbst waren auf gefühlte Kühlschranktemperaturen heruntergekühlt. Die Gastgeber haben eines der geräumigen Apartments zur Verfügung gestellt, in denen sonst auch die deutschen Dozentinnen und Dozenten unterkommen. Diese befinden sich jedoch nicht direkt beim Institut, sondern auf dem Gelände des Singapore Polytechnic. Ich brauchte also erst einmal ein Taxi, um vom Apartment zum GIST zu kommen. Klingt erst einmal simpel, ist es aber nicht: Die ersten beiden Taxifahrer kennen die Adresse nicht, erst der dritte hat ein Navigationsgerät an Bord und findet den Weg zum Pixel Building, dem Sitz des GIST.

Pixel-Building (Foto: Panoramio)

Pixel-Building (Foto: Panoramio)

Ein modernes, gut ausgestattetes Gebäude bietet der internationalen Studierendenschaft hier die Möglichkeit, in deutschen Masterstudiengängen „German engineering“ zu erlernen, die Räume tragen Namen wie „Weihenstephan“, „Garching“ und „Carl von Linde“ – da fühlt man sich doch fast wie zu Hause! Herr Dr. Wächter, Managing Director von TUM Asia, empfängt mich in seinem Büro und beantwortet freundlich und geduldig meine vielen neugierigen Fragen. Er stellt Herrn Tan vor, der als Manager of Academic Services über alle Details des Lehrveranstaltungsbetriebs genauestens Bescheid weiß. Mit ihm findet auch die Abstimmung statt, welche Items aus den Standardfragebögen der TUM übernommen werden können und welche speziell Aufschluss über das Feedback der Studierenden zur Qualität der Lehre bei TUM Asia geben können. Ich präsentiere den Kolleginnen und Kollegen zunächst EvaSys, um ihnen einen ersten Eindruck der Anwendung zu ermöglichen und den Ablauf des Workshops festzulegen, der am nächsten Tag stattfinden soll.

Am nächsten Tag warten sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von TUM Asia gespannt auf den Workshop. Wie wird ein Dozentenkonto angelegt? Wie werden für die Dozentenkonten Veranstaltungen angelegt? Wie editiert man Fragebögen und verwendet sie später in Befragungen? Alles gar nicht so einfach, wenn man die einzelnen Schritte auch gleich am eigenen Laptop nachvollziehen soll. Ob alle Teilnehmenden denn jetzt alles über EvaSys wissen, fragt Herr Tan am Ende des Workshops schmunzelnd. Verlegenes Lachen von allen Seiten: Soweit sind sie natürlich noch nicht, aber einen Überblick über die Grundfunktionen haben sie sich erarbeitet. Darauf können sie aufbauen und konkrete Fragen lassen sich auch aus der Ferne beantworten. Nachdem die Teilnehmer noch einige Fragen loswerden konnten, werde ich mit vielen Tipps und Hinweisen ausgestattet, welche Sehenswürdigkeiten Singapur zu bieten hat.

Nach einer Stippvisite bei TUM CREATE, der Forschungs-Tochter von TUM Asia, geht mein Besuch dieses am weitesten entfernten Standorts der TUM auch schon zu Ende. Es bleiben die Eindrücke: Hier entwickelt und betreibt ein junges asiatisches Team – fernab vom „Mutterschiff“ in Deutschland – engagiert Studienprogramme, die immer stärker nachgefragt werden. Für mich die Bestätigung, dass die TUM eine Marke ist, die auch international funktioniert. Wenn ich kann, komme ich wieder.

Die ersten Lehrveranstaltungen von GIST sind übrigens in diesem Semester bereits per Onlinebefragung evaluiert worden.

TUM_Asia_10_Jahre

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Singapur: In kaum einer anderen Metropole gelingt der Spagat zwischen Tradition und Moderne wie hier. (Fotos: TUM / David Schneider)

Singapur: In kaum einer anderen Metropole gelingt der Spagat zwischen Tradition und Moderne wie hier. (Fotos: TUM / David Schneider)

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