Wer war eigentlich… Anneliese Eichberg?

An der TH sah ich dann weit und breit nur Studenten und keine Studentinnen, das war schon etwas unheimlich.“ – Anneliese Eichberg

Im Jahr 1930 begann Anneliese Eichberg – damals noch als einzige Frau unter 80 Männern – das Architekturstudium. Sie studierte nicht nur als eine der ersten Frauen an der TUM, sie organisierte auch den Wiederaufbau der Universität nach dem zweiten Weltkrieg und war erfolgreich als Architektin tätig. Doch wer genau war Anneliese Eichberg?

Anneliese Eichberg geboren am 1. Mai 1910 (Foto: TUM Fakultät für Architektur)

Anneliese Eichberg (Foto: TUM Fakultät für Architektur)

 

Architekturstudium

Nach dem Abitur im Jahr 1929 hatte Anneliese Eichberg (geb. Tenes) den zur damaligen Zeit schwer erfüllbaren Wunsch, Architektur an der TU München zu studieren. Schon immer war Zeichnen ihre große Leidenschaft und mit Hilfe ihres Vaters, der ebenfalls als Architekt tätig war, erfüllte sie sich letztendlich ihren Traum. Von 1930 bis 1934 saß sie als einzige Frau unter 80 Architektur-Kommilitonen in den Hörsälen der heutigen Technischen Universität München. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitete sie zunächst als Privatassistentin für Prof. Abel am Lehrstuhl für Städtebau. Am selben Lehrstuhl war auch ihr Mann tätig, Werner Eichberg, den sie 1938 heiratete.

Nachkriegszeit

Das Ehepaar und Prof. Abel hatten eine ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus, daher bekamen sie unter dem NS-Regime kaum noch Aufträge. Während des Zweiten Weltkrieges übernahm Anneliese Eichberg die Arbeit ihres Mannes und hielt vertretungsweise Vorlesungen.

Bis 1952 blieb Anneliese Eichberg planmäßige Assistentin an der TH München. In den schwierigen ersten Nachkriegsjahren plante sie die Aufräumarbeiten der Hochschule und den Wiederaufbau des Studienbetriebs. Im Jahr 1955 wurde ihr Mann an den Lehrstuhl für Hochbaukonstruktion berufen.

Am 10.02.2017 verstarb Anneliese Eichberg im Alter von 106 Jahren in München, 32 Jahre nach ihrem Mann.

Bauwerke

Anneliese und Werner Eichberg bauten in den 50er Jahren zusammen ein Architekturbüro auf, in dem sie sich auf technisch anspruchsvolle Bauten wie Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude oder Hochschuleinrichtungen spezialisierten. Das Ehepaar entwarf auch mehrere Bauten der Technischen Universität, darunter den Neubau der Elektrotechnik auf dem Nordgelände des Innenstadtcampus. Das wohl bekannteste Großprojekt des Büros Eichberg ist das Münchner Klinikum Großhadern, das 1978 fertiggestellt wurde.

 

Das bekannteste Großprojekt des Büros Eichberg: Das Münchner Klinikum Großhadern (Foto: Wikipedia)

Das bekannteste Großprojekt des Büros Eichberg: Das Münchner Klinikum Großhadern (Foto: Wikipedia)

 

Frauen in der Architektur

Die Diskussion um die Gleichbehandlung von Architektinnen muss sogar in unserer modernen Gesellschaft immer noch ein großes Thema sein, da die Gleichstellung längst nicht selbstverständlich ist. In der Zeitschrift „The Architectural Review“ wurde eine Statistik veröffentlicht, die belegt, dass Frauen in Architekturbüros bei gleicher Leistung im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Lange Zeit war die Architektur Männern vorbehalten.

Noch am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Frauen an vielen Universitäten für Architektur nicht oder nur in bestimmten Bereichen der Innenarchitektur zugelassen. Erst in den 1930er-Jahren kam langsam die Wende und die ersten Frauen wurden an der Technischen Hochschule in München für das Architekturstudium zugelassen. Seit den 1970er­Jahren steigt die Zahl der weiblichen Erstsemester im Fach Architektur kontinuierlich an. Seit Ende der 90er­Jahre sind es sogar mehr junge Frauen als Männer, die sich einschreiben. So haben Frauen in den letzten Jahrzehnten wichtige Maßstäbe für die moderne Architektur gesetzt.

Um nur ein Beispiel einer renommierten Architektin unserer Zeit zu nennen: Zaha Hadid (1950 – 2016) hat mit ihren Jahrhundert-Bauwerken die bisher männlich dominierte Architekturszene auf den Kopf gestellt. Ihr Baustil wird als kinetisch und fließend beschrieben. Ihre futuristischen Gebäude aus Zement, Stahl oder Glas sind urbane Entwürfe großer Metropolen und überall auf der Welt zu finden. Einige ihrer Bauwerke sind auch in Deutschland zu finden, wie etwa ihr erstes Werk, das Feuerwehrhaus für das  Vitra-Werk in Weil am Rhein, oder das Zentralgebäude im BMW-Werk Leipzig.

 

Feuerwehrhaus für das Vitra-Werk von Zaha Hadid, 1993 (Foto: Wikipedia)

Feuerwehrhaus für das Vitra-Werk von
Zaha Hadid, 1993 (Foto: Wikipedia)

 

Quellen:

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