Wer war eigentlich… Rudolf Mößbauer?

Physiker? Pianist? Rudolf Mößbauer, geboren am 31. Januar 1929 in München, war sowohl ein leidenschaftlicher Physiker, als auch ein begeisterter Pianist. Für die Entdeckung des „Mößbauer-Effekts“ wurde er mit nur 32 Jahren bereits mit dem Nobelpreis der Physik ausgezeichnet. An der TUM wurde ihm zu Ehren eine „Rudolf-Mößbauer Tenure Track Assistant Professorship“ angesiedelt.

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Rudolf Mößbauer, 1961 (Quelle: spiegel.de)

 

Akademischer und beruflicher Werdegang

Rudolf Mößbauer begann 1949 sein Physikstudium an der damaligen Technischen Hochschule München und schloss sein Studium 1955 bei Prof. Heinz Maier-Leibnitz ab. Im Anschluss wechselte er an das Institut für Physik am Max‐Planck‐Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg, wo er an seiner Dissertation arbeitete. 1958 folgte die Promotion mit dem Thema „Kernresonanz-Fluoreszenz von Gammastrahlen in Iridium-191“ an der Technischen Hochschule in München. Von 1959 bis 1960 war er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

Auf Initiative des amerikanischen Physiker Richard Feynman erhielt Rudolf Mößbauer 1960 eine Einladung als Research Fellow an das California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena im US Bundesstaat Kalifornien, wo er 1961 zum Professor berufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt erhielt er auch die Nachricht, dass ihm der Nobelpreis für Physik verliehen werden sollte. Mit 32 Jahren war Mößbauer einer der jüngsten Nobelpreisträger überhaupt. Ende 1964 folgte Mößbauer dem Ruf an die TU München und wurde Direktor des neuen Physik-Departments, das er nach amerikanischen Vorbild gestaltete. Zwischen 1965 und 1969 verbrachte er jeweils drei Monate pro Jahr als Gastprofessor für Physik am California Institute of Technology in Pasadena. Mößbauer blieb seiner Alma mater an der TU München bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 treu. Einzige Ausnahme bildete eine Beurlaubung in den Jahren 1972 bis 1975, in denen er das Institut Laue‐Langevin (ILL) in Grenoble, Frankreich leitete.

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(Quelle: britannica.com)

 

Die Entdeckung des „Mößbauer-Effekts“

Bereits 1955 hatte der Münchner Physiker Heinz Maier‐Leibnitz seinen Doktoranden Rudolf Mößbauer damit beauftragt, das Gebiet der Kernresonanz‐Fluoreszenz (auch Kernresonanzstreuung) zu erforschen. Tatsächlich entdeckte Mößbauer bereits während seiner Promotion den später nach ihm benannten Effekt.

Als „Mößbauer-Effekt“ wird folgendes Phänomen bezeichnet: Wenn ein Atomkern Teil eines Kristalls ist, zeigt er ein anderes Absorptionsverhalten als im freien Zustand. Der Kern erzeugt dabei eine andere Spektrallinie. Der „Mößbauer‐Effekt“ ermöglicht viele Anwendungen in Kern‐ und Festkörperforschung, aber auch in Chemie, Biophysik, Geologie sowie Archäologie. Sogar auf dem Mars war bereits ein Roboter mit Mößbauer‐Spektrometer im Einsatz, um die eisenhaltigen Mineralien auf dem Mars zu untersuchen. Die Roboter senden mittels einer radioaktiven Quelle Gamma-Strahlen aus, die auf das Untersuchungsmaterial treffen und reflektiert werden. Die Differenz zwischen dem ausgesandten und dem reflektierten Spektrum gibt Auskunft über die Zusammensetzung der Mineralien.

Letztlich wurde Rudolf Mößbauer für die Entdeckung des „Mößbauer-Effekts“ 1961 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Forschung und Lehre an der TU München

Mößbauers Forschungsaktivitäten waren stets gekennzeichnet durch das Bestreben, eingefahrene Wege zu verlassen und neue, manchmal gewagte Richtungen einzuschlagen.

Weiterhin kritisierte er immer wieder die fehlende Freizügigkeit an deutschen Universitäten. Trotz aller Kritik blieb Mößbauer jedoch ein leidenschaftlicher Forscher, der es versteht, Interesse und Begeisterung für die Physik zu wecken. Sein Rat lautete einmal, die besten jungen Wissenschaftler mit größtmöglichen Freiheiten auszustatten und nicht auf kurzfristige Erfolge zu drängen. Jedoch sollte nach etwa zehn Jahren erkennbar sein, dass etwas Wesentliches gefunden wurde.

Mößbauer war nicht nur ein herausragender Forscher, sondern auch ein akademischer Lehrer, der seine Vorlesungsverpflichtungen sehr ernst nahm und seine Studenten begeistern konnte. Den bei ihm arbeitenden Wissenschaftlern gewährte er große Forschungsfreiheit. Seine Vortragskunst sowie sein großes Interesse an der Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse führten ihn auch wiederholt an die Berliner Urania, eine gemeinnützige Bildungseinrichtung, um wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich zu machen. Im Jahr 1988 wurde ihm als Erster die Urania-Medaille verliehen.

Privates

Rudolf Mößbauer wurde am 31. Januar 1929 als Sohn von Rudolf Mößbauer und seiner Frau Erna (geborene Ernst) in München geboren.

Er war zunächst mit Elisabeth Prit verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder. Später heiratete Mößbauer seine zweite Frau Christel Braun.

Im Alter von 82 Jahren verstarb Rudolf Mößbauer am 14. September 2011 in Grünwald bei München.

Neben der Physik, galt er als begeisterter Pianist. In seinem Labor stand ein Flügel, an dem er gelegentlich während der Arbeit spielte.

 

Quellen:

https://portal.mytum.de/pressestelle/pressemitteilungen/news-601 (abgerufen am 30.04.2018)

https://www.tagesspiegel.de/wissen/physiker-und-pianist/4629314.html (abgerufen am 30.04.2018)

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_M%C3%B6%C3%9Fbauer (abgerufen am 05.06.2018)

https://www.urania.de/die-urania/geschichte (abgerufen am 11.06.2018)

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