Wohnen in München um jeden Preis?

Dass Wohnen in München nicht erst seit gestern ein Problem ist, dürfte allgemein bekannt sein. Aber dass Studierende mittlerweile auf Portalen wie „WG gesucht“ bis zu 87€ pro Quadratmeter bezahlen sollen, ist das Resultat der extremen Münchner Mietpreisspirale der letzten Jahre. Wo soll das noch hinführen und was bedeuten diese horrenden Mieten in der Landeshauptstadt für die Studienwahl von zukünftigen Studierenden? Die Studentischen Vertretungen von TUM, LMU und HM haben den Kandidatinnen und Kandidaten der in Kürze stattfindenden OB-Wahl im Rahmen von zwei Podiumsdiskussionen auf den Zahn gefühlt.


Sebastian Biermann (Vorsitzender des Fachschaftenrats der TUM), 3.v.r., zusammen mit den OB-Kandidatinnen und Kandidaten bei der 2. Podiumsdiskussion am 23. Januar 2014. (Foto: AStA TUM)

Sebastian Biermann (Vorsitzender des Fachschaftenrats der TUM), 3.v.r., zusammen mit den OB-Kandidatinnen und Kandidaten bei der 2. Podiumsdiskussion am 23. Januar 2014. (Foto: AStA TUM)

Bei einer Fahrt durch die Stadt fällt anhand der Wahlplakate eines sofort auf: alle Kandidatinnen und Kandidaten wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Einig war man sich bei den Diskussionsrunden auch darüber, dass der Leerstand in kommunalen wie in privaten Immobilien zügig abgebaut werden muss. „Wir haben rund 1200 städtische Leerwohnungen. Ich verspreche, diese innerhalb von sechs Monaten bewohnbar zu machen“, erklärte beispielsweise der SPD-Kandidat Dieter Reiter. Langfristig wird das aber nicht ausreichen. Möglich wäre die Nachnutzung von Kasernen oder die Umnutzung ungenutzter Gewerbeflächen. Aber auch für kreative Lösungen wie beispielsweise die Errichtung einer Wohnanlage aus umgebauten Schiffscontainern nach einem Berliner Vorbild, zeigten sich die Kandidatinnen und Kandidaten offen. Trotz dieser Zusagen sahen die Kandidierenden auch den Freistaat als Universitäts-Betreiber in der Pflicht, für mehr studentischen Wohnraum zu sorgen. Und für eine Deckelung der explodierenden Mietpreise sahen sie weniger die Kommunalpolitik, als vielmehr die Bundespolitik in der Verantwortung.

Wie brisant das Thema wirklich ist, zeigt ein Blick in die Wohnraumstudie des Initiativkreises für studentischen Wohnraum:

„Eine Wohnung in München bezahlen zu können ist rechnerisch, wenn der Studierende allein auf den BAföG-Höchstsatz angewiesen ist, nahezu unmöglich. Ein Studium in München an der TUM ist daher nur möglich, wenn zusätzliche Geldquellen, wie Eltern, Verwandte, Stipendien oder über Nebentätigkeiten während dem Studium akquiriert werden.“

Rund 44% der Studierenden müssen sich für Essen, Lernen und Schlafen mit bis zu 15m² begnügen und fast 2000 Studierende der TU München haben nicht einmal ein Zimmer zur Verfügung, sondern müssen  per Definition  in einer „Kammer“ leben, die kleiner als 10 m² ist.

Erschreckende Zahlen liefert die Studie auch bei der Frage, ob sich die Studierenden aufgrund der Wohnungsmarktsituation in München noch an anderen Hochschulen beworben hätten. 18% beantworteten diese Frage mit „Ja“, und der Anteil derer, die sich gar nicht erst bewerben, wird höchstwahrscheinlich noch deutlich höher liegen.

Sebastian Biermann (Vorsitzender des Fachschaftenrats) und Philipp Rinner (Referent für Hochschulpolitik des AStA) bei der Bewerbung der Diskussionsveranstaltungen. (Foto: AStA TUM)

Sebastian Biermann (Vorsitzender des Fachschaftenrats) und Philipp Rinner (Referent für Hochschulpolitik des AStA) bei der Bewerbung der Diskussionsveranstaltungen. (Foto: AStA TUM)

Damit wird ein Studium an den beiden Exzellenz-Universitäten in München exklusiv – aber nicht im Sinne der Gewinnung und Förderung von Talenten und Spitzenkräften aller Schichten, sondern vielmehr beschränkt auf Studierende aus wohlsituierten Familien. Zynische Stimmen könnten angesichts dessen anmerken, dass das rote Gesetzbuch in der Hand des Münchner Kindls mehr und mehr zu einer roten Karte für Studierende wird.

 

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6 Kommentare zu “Wohnen in München um jeden Preis?”

  1. Wissenschaftliche Konzepte

    Das sehe ich ähnlich. „Normalsterbliche“ egal wie gut sie sind haben kaum noch Chancen weil das Studium einfach nicht mehr bezahlbar ist und dabei ist München meiner Meinung nach nicht mehr unbedingt eine Ausnahme. In Städten wie Düsseldorf sieht es ganz ähnlich aus, was meiner Meinung aber auch viel mit der hohen Zahl der Erstsemestler zusammenhängt. Im Moment für mich ein kleiner Teufelskreis..

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  2. Mathias Assmann

    In Hamburg ist die Lage leider ähnlich. Wohnen ist für Studierende kaum zu bezahlen. Meiner Ansicht nach stehen hier die Städte in der Pflicht. Es kann doch nicht sein, dass z.b. Studentenwohnheime der Nachfrage überhaupt nicht gerecht werden.

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  3. München

    Naja, der Titel des Artikel ist mehr als passend gewählt. Ich bin München fan aber ich dacht mir auch schon ob man sich das wirklich „geben“ muss – München is toll aber um jeden Preis geht halt nicht…

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  4. Franz Baumann

    Durch unsere Tätigkeit als Entsorger konnten wir schon einige Wohnungen an Studenten vermitteln, die uns beim Entsorgen geholfen haben. Da wir als Erster am Geschehen sind bei der Entrümpelung von Wohnungen und Häusern kommen wir natürlich schnell und oft an solche Kontakte.

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