Das Orientierungssemester „studium MINT“ – ein Studium zum Ausprobieren

Hohe Abbruchquoten, trockene Inhalte, niedrige Frauenanteile – die klassischen Ingenieurdisziplinen werden häufig mit diesen Stereotypen konfrontiert. Viele Studieninteressenten und -interessentinnen lassen sich von solchen Klischees abschrecken oder pflegen Ressentiments gegenüber den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen.


Beteiligte Fakultäten (Grafik: Löfflmann)

Beteiligte Fakultäten (Grafik: Löfflmann)

Um diese Hemmschwelle herabzusetzen und um Schulabsolventen und -absolventinnen die Möglichkeit zu schaffen unverbindlich in die technisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge der TU München hineinzuschnuppern, wurde im Rahmen von TUM: Agenda Lehre das Orientierungssemester studium MINT eingeführt (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Ziel ist nicht nur die Erschließung neuer Studierendengruppen und die Begeisterung junger Menschen für den MINT-Bereich, sondern auch die Schaffung einer Entscheidungshilfe für, und die fachliche Vorbereitung auf das individuell richtige Studium. Somit sollen insbesondere auch die Studienabbruchgefahr im späteren Bachelorstudium reduziert, sowie der Studieneinstieg vereinfacht und entzerrt werden.

Start zum Sommersemester

Der Start im Sommersemester gewährleistet einen fließenden Übergang in das Bachelorstudium, außerdem schafft die TUM so die Möglichkeit des zeitversetzten Studienbeginns. Immer mehr junge Menschen wechseln nicht direkt von der Schule an die Universität, das studium MINT bietet die Chance z.B. nach einem Praktikum oder Auslandsaufenthalt schon im April in den Studienbetrieb einzusteigen. Zudem wird Studiengangswechslern und -wechslerinnen eine zügige Möglichkeit der Umorientierung im MINT-Bereich geschaffen. Auch qualifizierte Berufstätige können so im Sommersemester einsteigen und sich mit der Hochschule und Ihren Leistungsanforderungen vertraut machen.

Zielgruppengerechte Inhalte

Überblick über den Übertritt der "studium MINT"-AbsolventInnen in die Fakultäten der TUM (Grafik: Farnbacher, Datengrundlage: TUMonline Studierendenmanagement)

Überblick über den Übertritt der „studium MINT“-AbsolventInnen in die Fakultäten der TUM (Grafik: Farnbacher, Datengrundlage: TUMonline Studierendenmanagement)

Inhaltlich liegt der Fokus auf den klassischen Fächern der MINT-Disziplinen (z.B. Mathe, Physik, Mechanik, Programmieren, Chemie etc.). Die Lehre wird im Orientierungssemester an die Heterogenität der Zielgruppe angepasst. So gibt es spezielle Angebote für Studierende mit lückenhaftem Schulwissen, sowie Vertiefungsangebote für besonders leistungsstarke und interessierte Teilnehmende. Zur Unterstützung bietet das studium MINT diverse Tutorien in Kleingruppen, wobei die Tutorinnen und Tutoren zugleich als Peer-to-Peer-Ansprechpartner aus möglichen Anschlussstudiengängen fungieren. Der Bezug des Erlernten zur Praxis sowie die Verknüpfung der verschiedenen MINT-Disziplinen werden im Hands-On-Projektmodul hergestellt, wo die Studierenden in Gruppen aus einem Mikrokontroller einen Prototyp planen, konstruieren und programmieren.

Zusätzlich zur klassischen Lehre gibt es ein umfangreiches Informations- und Beratungsangebot, das sowohl die möglichen Bachelorstudiengänge als auch entsprechende Berufsperspektiven aufzeigt.

Hohe Nachfrage

Anzahl der Studierenden bei studium MINT von 2014 bis 2016. (Grafik: Farnbacher; Datengrundlage TUMonline Bewerbermanagement)

Anzahl der Studierenden bei studium MINT von 2014 bis 2016. (Grafik: Farnbacher; Datengrundlage TUMonline Bewerbermanagement)

Das Orientierungssemester erfreut sich hoher Nachfrage, bereits im zweiten Jahrgang 2015 wurde die Zielzahl von 100 Personen überschritten. Von den Teilnehmenden im Jahr 2016 gaben 20 % an, dass keines der Elternteile einen akademischen Ausbildungshintergrund hat. Der Anteil der weiblichen Studierenden liegt mit ca. 35 % weit über den Frauenanteilen in den klassischen MINT-Studiengängen. Durch den Übertritt der Mehrheit der Studierenden (ca. 2/3) in ein technisch-naturwissenschaftliches Bachelorstudium der TUM überträgt sich diese Vielfalt direkt auf die regulären Studiengänge. Auch die Studierenden, die sich gegen ein Studium im MINT-Bereich oder an der TUM entscheiden, können als Erfolg gewertet werden: Im Idealfall wurde hier ein Studienabbruch aufgrund der Wahl des falschen Studiengangs verhindert.

Gute Evaluation

Poster "studium MINT" (Grafik: Weiss, Briemle)

Poster „studium MINT“-Poster (Grafik: Weiss, Briemle)

Die Befragungen der Studierenden zeichnen ein sehr positives Meinungsbild. Von den an der Evaluierung teilnehmenden Studierenden geben 80 bis 90 % an, dass Ihre Erwartungen erfüllt wurden, und 100 % würden das studium MINT bei Orientierungsbedarf weiterempfehlen. Die Zahl der Studierenden, die sich „relativ sicher“ bezüglich ihrer Studienwahl sind, konnte im Verlauf des Semesters jeweils ca. verdreifacht werden (Befragung zu Semesterbeginn und Semesterende). Häufiger Kritikpunkt ist der hohe Arbeitsaufwand/ Workload im Orientierungssemester. Da aber ein reguläres Hochschulsemester abgebildet werden soll, um einen realistischen Eindruck eines technischen Universitätsstudiums zu vermitteln, ist keine Reduzierung geplant.

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