Erneuerbare Energie für Entwicklungsländer

Nichts ist motivierender, als einen Sinn in seiner Arbeit zu sehen. Im Studium ist das nicht immer der Fall – oft bleiben Lehrveranstaltungen reine Theorie und gute Konzepte werden nur für die Schublade produziert. Anders ist das in einer neuen Lehrveranstaltung des Lehrstuhl für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme.


Windturbine in Banket, Zimbabwe (Foto: Stephan Baur)

Windturbine in Banket, Zimbabwe (Foto: Stephan Baur)

»Bei uns wird Theorie zur Praxis«, erklärt Johannes Winklmaier. Er betreut die Lehrveranstaltung gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Stephan Baur, der auch Lehrer am Gymnasium in Geretsried ist. »Wir möchten Studierende in die Lage versetzen, Energiekonzepte zu entwickeln und anschließend auch selbst vor Ort – an realen Standorten in Entwicklungsländern – umzusetzen.«

Das Lehrkonzept ist zweigeteilt: In einer Ringvorlesung vermitteln Dozentinnen und Dozenten aus verschiedenen Disziplinen den Studierenden relevante technische, finanzielle und soziokulturelle Inhalte. Dabei geht es unter anderem um Low-Cost-Windturbinen, Mikrofinanzierung oder um Kompetenzen für die internationale Zusammenarbeit. Vertieft und verfestigt wird der Vorlesungsstoff durch eine Übungsstunde.

In einem Projektpraktikum wird dieses Wissen dann in interdisziplinären Teams angewandt, die aus Studierenden der Fachrichtungen Maschinenwesen, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften und Ingenieur-Ökologie zusammengesetzt sind. Zu Beginn des Semesters erhalten die Teams umfassende technische und sozioökonomische Daten von einem realen Standort. Teils eigenständig, teils in Meetings mit ihren Betreuern erarbeiten die Teams schließlich Schritt für Schritt ein nachhaltiges Energiekonzept. Parallel zur Konzeptentwicklung werden Hands-on Termine angeboten, bei denen praktische Grundlagen wie die Installation von Inselsystemen oder Messtechniken vor Ort behandelt werden.

Im vergangenen Wintersemester 2015/2016 entwickelten die Teams Energiekonzepte für Banket, eine Missionsstation der Jesuiten in Simbabwe. Banket verfügt über zwei Schulen mit knapp 2000 Schülern und ein Township in unmittelbarer Nachbarschaft.

Einfach in der Sonne aufladen: Solarlampen leuchten mehrere Stunden und ersetzen teure Kerosinleuchten (Foto: Stephan Bauer)

Einfach in der Sonne aufladen: Solarlampen leuchten mehrere Stunden und ersetzen teure Kerosinleuchten (Foto: Stephan Bauer)

Ziel war es, technologisch wie auch finanziell umsetzbare Ideen zu entwickeln, die sich auch in das soziokulturelle Umfeld einpassen. Darüber hinaus sollten die Konzepte Wege aufzeigen, wie man einen Ort wie Banket ohne stabile Stromversorgung durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien wirtschaftlich voranbringen kann. Eine Jury bewertete die entstandenen Entwürfe schließlich hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit und Nachhaltigkeit.
„Die Konzepte und Ideen, die uns überzeugt haben, werden jetzt im Rahmen von Masterarbeiten direkt vor Ort umgesetzt. In den kommenden Semestern werden weitere reale Standorte in Nepal und vor allem in Simbabwe dazukommen“, so Stephan Baur. „Dabei hilft uns besonders die aktuelle Zusammenarbeit mit der University of Zimbabwe. Unser Lehrstuhl ENS berät sie bei der Einführung eines Masterprogramms zu Erneuerbaren Energien.“ Im Gegenzug leistet die Universität mit ihrem lokalen Knowhow einen wertvollen Beitrag zu den Projekten der TUM-Studierenden. Und womöglich arbeiten Studierende beider Universitäten bald gemeinsam an Energiekonzepten, die das Leben und die Entwicklung der ländlichen Bevölkerung Simbabwes nachhaltig verbessern.

4 Kommentare zu “Erneuerbare Energie für Entwicklungsländer”

  1. Entwicklungsexperte

    Erneuerbare Energien sind jetzt völlig im Kommen. Das freut mich, dass bei den Menschen ein größeres Umweltbewusstsein präsent ist. Auf jeden Fall ist diese Fachrichtung zukunftsorientiert.

    Antworten
  2. Tutor

    Hallo,
    Erneuerbare Energie ja…aber für welchen Preis. Der Beitrag ist interessant geschrieben, aber mir nicht klar welche Auswirkungen er auf uns Menschen v.a. ökonomisch haben wird!

    Antworten

Kommentar hinterlassen

  • (will not be published)

Sie können folgende XHTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>