Interdisziplinäres Projekt X: Kreatives und agiles Arbeiten in interdisziplinären Studierendenteams

Is it new? Is it true? Does it matter? Mit diesen Maximen startete im Sommersemester 2020 erstmalig das Modul „Interdisziplinäres
Projekt X“, das im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Studienbezogene Verstärkung der Exzellenzstrategie“ vom Lehrstuhl für Ergonomie in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Industrial Design entstand. Es bietet ein neues Arbeitsformat, das Studierende verschiedener Fachrichtungen in interdisziplinäre Projektteams zusammenschließt und eine kreative, agile und iterative Arbeitsweise vermittelt und fördert. 

Anwendung menschenzentrierter Gestaltung

Im Wechsel zwischen Input Sessions, Softskill Workshops und Projektpräsentationen lernen die Studierenden zum einen Methoden der menschzentrierten Gestaltung und zum anderen Methoden des agilen Projektmanagements kennen. In Eigenregie bearbeiten die Teams dann ein gegebenes Leitmotiv und durchlaufen iterativ die vier Phasen menschzentrierter Gestaltung: „Explore, Ideate, Prototype, Evaluate“. Menschzentrierte Gestaltung zielt darauf ab, den Menschen in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses zu stellen, um Produkte oder Services zu gestalten, die genau auf dessen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der Ansatz fügt sich in die Methodik des Human-Centered Engineering, welches ein zentrales Konzept der Exzellenzstrategie der TUM ist und das Ziel hat, die Expertise im Bereich Natur und Technik mit Geistes- und Sozialwissenschaften zu verknüpfen und damit technologischen Fortschritt für Mensch und Gesellschaft zu schaffen.

Die entwickelten Prototypen (wie hier ein Prototyp zur Blutabnahme) reichen je nach Entwicklungsphase und -ziel von Low bis High Fidelity, d.h. sie haben unterschiedliche Detail- und Reifegrade (Bild: Eva Richter)

Alles anders, alles digital im Sommersemester 2020

Die COVID-19-Pandemie führte nicht nur dazu, dass das Modul im Sommersemester 2020 digital stattfinden musste, sondern lieferte auch den Inhalt für das Leitmotiv. Methoden wie gemeinsames Prototyping oder Nutzertests waren nur schwer durch digitale Alternativen ersetzbar, während für andere Aktivitäten teilweise sogar effektivere digitale Lösungen gefunden werden konnten. So konnten z. B. kollaborative Brainstorming Maps leichter digital erstellt, dupliziert und angepasst werden, als es mit Stift und Papier möglich gewesen wäre. Für das Leitmotiv wurden die Studierenden in ein fiktives Szenario versetzt, in dem die Kontaktbeschränkungen in den kommenden fünf Jahren noch strenger wurden und z. B. komplette Isolation, Home Schooling und Limitierungen bei medizinischen Prozessen beinhalten. Unter den Aspekten der menschzentrierten Gestaltung sollten die Projektteams dann folgendes Leitmotiv bearbeiten: „What could a year 2025 worth living look like?“.

Der Prototyp des Boardgame- Services mit haptischen Interaktionsmöglichkeiten wird mit Probanden getestet (Bild: Moïse Zala)

Das Ziel: Neuartige, effektive und relevante Lösungen für menschliche Problemstellungen finden

Durch die offene Aufgabenstellung, die menschzentrierte Arbeitsweise sowie individuelle Fähigkeiten der Teammitglieder entstanden die unterschiedlichsten Lösungsansätze: Ein Product-Service-System, das haptische Interaktion beim Spielen von Brettspielen mit Teilnehmern an unterschiedlichen Orten ermöglicht, eine mobile Arztpraxis mit kontaktlosen Untersuchungsmöglichkeiten, eine transparente Maske mit Luftfilter, bis hin zu einem visuellen und auditiven Abstandsmesser zwischen Kunden im Einzelhandel. So unterschiedlich die Ergebnisse auch sind – alle beziehen sich auf reale, aktuelle Probleme von Menschen und wurden in engem Austausch mit NutzerInnen entworfen, getestet und evaluiert. Am Ende haben sie das Potential, nicht nur das Jahr 2025 in dem gegebenen Szenario lebenswerter zu machen, sondern bereits heute das Leben einfacherer, sicherer und angenehmer zu gestalten: They are new, they are true and they matter.

Basierend auf den Erfahrungen in diesem ersten Durchlauf und dem Feedback der Studierenden wird das Interdisziplinäre Projekt X mit einem neuen Leitmotiv – voraussichtlich als Präsenzveranstaltung – erneut im Wintersemester 2020 / 2021 stattfinden.

Visualisierungen von Ideen helfen in den verschiedenen Phasen, die Kommunikation zu erleichtern. Hier wurden Ideen für einen visuellen und auditiven Abstandsmesser aufgezeichnet (Bild: Florian Bogner)
„StayBack“: Um den Abstand zu anderen Kunden im Einzelhandel zu bewahren, kann ein Armband getragen werden, das den Abstand trackt, warnt und zudem Hot-Spots aufdeckt, an denen sich oftmals viele Kunden befinden (Bild: Sara Eigel / Hannah Gramm)

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