Interkulturelle Kompetenzen entwickeln

Die TUM zieht aufgrund ihres herausragenden Renommees jährlich tausende internationale Studierende an. Viele von ihnen erleben im deutschen Hochschulsystem kulturelle Irritationen. Während manches mit Humor genommen wird, können andere Erfahrungen nur schwierig verstanden werden. Unterstützung bieten hier interkulturelle Trainings.

Bild: Shutterstock

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„Darf ich meine Dozentin oder meinen Dozenten im Gang überholen, wenn ich es eilig habe?“ oder „Wieso werde ich ständig nach meiner eigenen Meinung gefragt?“ Deutsche Studierende und Dozierende würden bei solchen und anderen Fragen vielleicht perplex fragen: „Na klar, wieso denn nicht?“ Für internationale Studierende sind die Fragen häufig nicht so einfach zu beantworten. Sie bringen Vorstellungen von wissenschaftlichem Arbeiten und sozialem Miteinander aus ihren Heimatregionen mit, die zuweilen stark von dem, was in Deutschland als „normal“ gilt, abweichen. In Ägypten ist es beispielsweise ein Zeichen von Respektlosigkeit, einen älteren – und deshalb wahrscheinlich weiseren – Menschen zu überholen. In vielen anderen Hochschulsystemen wird mehr Wert auf die Wiedergabe des Gelernten statt auf die kritische Reflexion gelegt.

Ziele von interkulturellen Trainings

Durch interkulturelle Trainings wird Studierenden und Lehrenden die Möglichkeit gegeben, interkulturelle Erfahrungen zu reflektieren und Strategien für ein erfolgreiches Miteinander zu erarbeiten. Internationale Studierende erfahren in einem geschützten Rahmen, dass sie mit ihren Erfahrungen und Irritationen aus dem Studium und Leben in Deutschland nicht alleine sind. Deutsche Studierende erhalten Trainings zur Vor- oder Nachbereitung ihres Auslandsaufenthalts. Lehrende können sich ebenfalls dazu fortbilden, wie sie die immer internationaler werdenden Studierendengruppen zielgerichtet ansprechen können, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Exemplarische Inhalte der Trainings und Workshops

Im Mittelpunkt der interkulturellen Trainings stehen die Erfahrungen und Fragen der Teilnehmenden. Viele unserer eigenen kulturellen Prägungen sind uns aktiv nicht bewusst. In Simulationen, Übungen und Fallbeispielen werden daher die zentralen Bereiche thematisiert, in denen interkulturelle Missverständnisse häufig auftreten. Es geht dabei um kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten, um Lehr- und Lernstile im internationalen Vergleich und um passende Kommunikationsstrategien mit Lehrenden und anderen Studierenden (per E-Mail, in Gruppenarbeiten oder in den Vorlesungen). Außerdem werden Bewältigungsstrategien im Falle eines Kulturschocks thematisiert, die Kooperation in multikulturell zusammengesetzten Teams geübt und der Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen reflektiert. Ein schöner Nebeneffekt sind oftmals die neuen Freundschaften, die in solchen Trainings geschlossen werden. 

Marie Ostermann, Aira Paschke und Isabel Reible sind Interkulturelle Trainerinnen bei KulturLernen.

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