eLearning und innovative Lehre – unterstützt durch die TUM MEC eScouts

Im Juli 2018 startete das TUM Medical Education Center (TUM MEC) die Offensive eLearning (nachzulesen in diesem Blogartikel). Sukzessive wurden erste Pilotveranstaltungen auf die Flipped Classroom Strategie umgestellt, erste Learnings analysiert und gelungene strukturelle Veränderungen konsolidiert.

Studierende mit Tablet
eScouts unterstützen die digitale Lehre am TUM Medical Education Center
(Bild: Shutterstock)

Neue Herausforderungen – neue Lehre

Die medizinische Ausbildung in Deutschland ist eng an die ärztliche Approbationsordnung (AO) gebunden, die bestimmt, was während des Studiums gelehrt wird. In Bezug auf die Lücke zwischen Faktenwissen und medizinischen Kompetenzen wurden der Masterplan Medizinstudium 2020 und der Nationale kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) für die Lehre an medizinischen Fakultäten entwickelt, um eine stärkere Kompetenzorientierung zu fördern.

Diese neue Fokussierung auf Kompetenzen innerhalb der medizinischen Kerncurricula erfordert eine neue Art der Lehre. Die Entwicklung hin zu innovativen und digitalen Lernsettings unterstützt diesen Prozess maßgeblich.

TUM MEC – Projekt: eScouts für die digitale Lehre

Zur Weiterentwicklung der Lehre und um nachhaltige Strukturen bei der Verwendung von digitalen Lehrformaten zu etablieren, werden im TUM MEC – Projekt „eScouts für die digitale Lehre“ studentische Hilfskräfte zu eScouts ausgebildet. Dabei werden sowohl technische, rechtliche wie auch didaktische Grundlagen geschult.

Die eScouts unterstützen Dozierende bei der Umsetzung von eLearning-Konzepten und bei der Produktion von digitalen Inhalten, wie z.B. eLectures und Screencasts. Ebenso können sie als Moderatorinnen und Moderatoren in den Präsenzveranstaltungen interaktive Online-Befragungen begleiten.

Durch die eScouts wird eine kritische Schnittstelle zwischen Mediendidaktik mit spezifischer Kompetenz, begrenzten personellen Ressourcen und den zahlreichen und supportbedürftigen klinischen Dozenten bedient. Die eScouts können somit unsere Lehrenden mit Blick auf mediendidaktische Aspekte zielgerichtet unterstützen, sie entlasten die Dozierenden und schaffen einen nachhaltigen Innovationsschub.

Innovation am Beispiel: Die Hauptvorlesung der Neurologie 2.0

Die Neuausrichtung der Hauptvorlesung Neurologie an der medizinischen Fakultät der TU München/ Klinikum rechts der Isar zielt ab auf ein eLearning-Konzept mit dem Schwerpunkt des Flipped Classroom: Also einer individuellen, selbstorganisierten Vorbereitung der Studierenden und einer interaktiven, problemorientierten Präsenzveranstaltung. In einem Moodle-Onlinekurs können sich die Studierenden vorbereiten. In den Präsenzveranstaltungen steht dann die Anwendung dieser Inhalte anhand von Patientenfällen im Fokus.

Im ersten Durchlauf wurde das neue Konzept sowohl von den Dozierenden, als auch von den Studierenden sehr gut angenommen. Sehr positiv bewertet wurden die zur Verfügung gestellten Lern-Videos, die gemeinsam mit den regelmäßigen Patientenvorstellungen und dem einhergehenden fallbezogenen Lernen ein umfassenderes Verständnis der Themen, sowie eine gezielte Wissensvertiefung unterstützen. All diese Punkte sprechen stark für das von uns gewählte Flipped Classroom-Prinzip.

Stetige Weiterentwicklung in der Neurologie 3.0

Nach der ersten Konsolidierung der Evaluationsergebnisse wurde deutlich, dass bei den zur Verfügung gestellten Texten, die sich vor allem aus Grundlagenliteratur speisten, noch Verbesserungsbedarf bestand. Vor allem der große Umfang der Texte und die unklare Fokussierung wurde seitens der Studierenden bemängelt, weshalb wir den Textinput auf ein standardisiertes Factsheet umstellten. Dieses Factsheet vereint die geforderten Variablen Prägnanz, Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit. Es bietet so für das Lernverhalten der Studierenden einen großen Vorteil und wurde im zweiten Durchlauf der neu gestalteten Veranstaltung wesentlich besser angenommen und evaluiert.

Die Bewertungen der Studierenden zeigten im Vergleich zum vorangegangen Semester eine deutliche Steigerung der Motivation und Zufriedenheit mit der Lehrveranstaltung. Die Evaluationen des Semesters erfolgten mit EvaSys.

Auch gaben über 90% der befragten Studierenden an, die neue Lehrform gegenüber traditionellen Unterrichtsformen zu bevorzugen bzw. sogar stark zu bevorzugen:

„Es ist interessanter, mit Videos, Factsheets, MC-Fragen und Lehrbuch zu lernen als mit einem Lehrbuch allein. Die Möglichkeit, 2 Bonuspunkte für die Prüfung zu bekommen, hat mich sehr motiviert.“

„Ich habe selten so regelmäßig während des Semesters teilgenommen wie in diesem Fach.“

Auch die Evaluation der Dozierenden zeigte, dass die Mehrheit der Dozierenden mit der Tatsache zufrieden war, dass die Studierenden das Material zu Hause vorbereitet hatten und sich so eine aktivere Zusammenarbeit vor Ort entwickeln konnte.

Eine breitere Anwendung dieses Konzepts innerhalb der Fakultät ist deshalb eindeutig erwünscht, sowohl von Seiten der Studierenden, wie auch von Seiten der Dozierenden. Die Konzepte eLearning und Flipped Classroom sollen innerhalb der Fakultät deshalb zukünftig weiter ausgebaut werden.

Exkurs: Lehre in Zeiten des Physical Distancing

Im letzten Sommersemester haben wohl alle Fakultäten vor der selben Herausforderung gestanden: Wie kann eine adäquate Lehre umgesetzt werden und wie können Lernziele erreicht werden, ohne dass Dozierende physisch mit Studierenden zusammenkommen? Unsere Strategie im Bereich eLearning und innovative Didaktik, auf das Thema Digitalisierung sensibilisierte, geschulte und engagierte Dozierende, sowie unsere eScouts haben deutlich dazu beigetragen, dass das digitale Sommersemester durchaus erfolgreich abgelaufen ist. Die TUM ist sogar dazu übergegangen, ausgehend von unserem Modellprojekt und unterstützt durch ProLehre, eScouts auch an allen anderen Fakultäten der Universität auszubilden.

Unsere eScouts sind derweil auf eine Gruppe von acht bis zehn studentischen Hilfskräften angewachsen und entwickeln sukzessive innovative Formate sowie Lehr- und Lernsettings weiter.

In Zukunft planen wir die Ausbildung unserer eScouts weiter zu entwickeln und durch neue Themenfelder zu ergänzen, um noch mehr Kompetenzen dort zu bündeln wo sie gebraucht werden – an der Schnittstelle zwischen Lehren und Lernen. Darüber hinaus planen wir für das kommende Wintersemester einen fakultätseigenen Hackathon mit dem Titel „TUMMEC OPEN – 36h für die Lehre“, bei dem Dozierende und Studierende gemeinsam an innovativen Lehrkonzepten arbeiten. Darüber hinaus soll ein Innovationlab etabliert werden, das Innovation in den Kern unserer TUM MEC – DNA einschreibt.

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