Wer war eigentlich… Ernst Otto Fischer?

Nicht vielen Wissenschaftlern ist es im Laufe ihrer Forschungsarbeit vergönnt, einen bahnbrechenden Meilenstein in ihrem Fachbereich zu entdecken. Ernst Otto Fischer ist allerdings einer davon, er begründete ausschlaggebend die moderne Metallorganische Chemie. Zwanzig Jahre wirkte er am Lehrstuhl für Anorganische Chemie der TUM als Ordinarius. Aber nicht nur in seiner Forschung leistete er exzellente Arbeit, sondern auch für seine herausragende Lehre wurde er von seinen Studierenden geschätzt. Um ihn als akademischen Lehrer zu ehren, rief die TUM im Jahr 2010 den Ernst-Otto-Fischer-Lehrpreis als besondere Auszeichnung für exzellente Lehrkonzepte ins Leben.

Wissenschaftliche Laufbahn

Ernst Otto Fischer wurde am 10.11.1918 in München geboren und blieb seiner Heimatstadt bis zu seinem Tod im Jahr 2007 treu. Sein Vater war Karl Tobias Fischer, der ebenfalls an der Technischen Hochschule München als Professor (der Physik) tätig war.

Nach Abschluss seines Abiturs im Jahr 1937 am Theresien-Gymnasium München plante Ernst Otto Fischer ursprünglich das Studium der Kunstgeschichte aufzunehmen. Jedoch war er nach einigen Besuchen der Chemievorlesung von Walter Hieber so fasziniert von der Chemie, dass er sein Vorhaben änderte und das Chemiestudium an der damaligen Technischen Hochschule in München begann. So absolvierte er ebenfalls unter der Betreuung von Walter Hieber seine Diplom- und Doktorarbeit.

Walter Hieber (rechts) und sein Schüler Ernst Otto Fischer (links)

In den frühen Fünfzigerjahren: Walter Hieber (rechts) mit seinen Schülern Ernst Otto Fischer (links) und Helmut Behrens (Mitte) Foto: TUM Archiv

 

1957 wurde E. O. Fischer Extraordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Nachdem er den Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität Jena abgelehnt hatte, wurde er 1959 persönlicher Ordinarius an der LMU. Im Jahr 1964 wurde er schließlich als Nachfolger von Walter Hieber an die Technische Hochschule München auf den Lehrstuhl für Anorganische Chemie berufen. Bis zu seiner Emeritierung 1985 hielt er dieses Amt inne.

Entdeckung der metallorganischen Sandwichkomplexe

Durch seinen Vater wurde Fischer auf einen Artikel der Zeitschrift Nature über die Entdeckung von „Diclopentadienyleisen“, das später mit dem Trivialnamen „Ferrocen“ belegt wurde, aufmerksam. Doch Fischer zweifelte an der publizierten Struktur mit einer Einfachbindung zwischen Eisen- und einem Kohlenstoffatom, weshalb er zusammen mit dem Studenten Reinhard Jira begann, neue Versuche mit der Ferrocen-Verbindung durchzuführen. Tatsächlich gelang es u.a. Ernst Otto Fischer die Einfachbindung zu widerlegen und die „Doppel-Kegel“-Struktur zu beweisen, die als metallorganische Sandwichverbindung bekannt wurde. Zeitgleich führte der britische Chemiker Geoffrey Wilkinson parallel zu Fisher denselben Versuch mit gleichem Resultat aus. So erhielten letztlich beide Wissenschaftler für ihre unabhängigen Arbeiten im Jahr 1973 den Nobelpreis für Chemie.

Gruppenbild der Nobelpreis-Verleihung von 1973

Nobelpreis-Verleihung in Stockholm 1973: Ernst Otto Fischer (3. von links) und Geoffrey Wilkinson (1. links) Foto: TUM Archiv

 

Die Entdeckung der metallorganischen Sandwichkomplexe veränderte das Bild von der chemischen Bindung in grundliegender Weise. Für vielfältige Anwendungen sind die Sandwichverbindungen von großer Bedeutung. Vor allem zur Herstellung von Polyolefinen („Kunststoff“) werden diese als Polymerisationskatalysatoren eingesetzt.

Persönliches

Weiterhin zeichnete ihn ein hohes Engagement für eine unabhängige und freie Hochschulforschung aus. Eine hohe Qualität von Lehre und Forschung war ihm stets ein großes Anliegen. Neben dem Nobelpreis wurden ihm noch weitere zahlreiche Ehrungen, Medaillen und Preise zuerkannt. In die Bayerische Akademie der Wissenschaften wurde er im Jahre 1964 aufgenommen.

Ernst-Otto-Fischer Lehrpreis der TUM

Im Rahmen des Programms „TUM: Lehre im Fokus“ wurde 2010 der Ernst Otto Fischer-Lehrpreis ins Leben gerufen. Ziel des Preises ist es, besonders gelungene Projekte zur Ver­besserung der Lehre an der TUM öffentlich­keits­wirk­sam auszuzeichnen. Daher wird der Ernst Otto Fischer-Lehr­preis jährlich an bis zu drei Lehrende oder Lehr­teams der TUM vergeben, die ein besonders inno­vatives Projekt zur Ver­besserung und Weiter­ent­wick­lung der Lehre umgesetzt haben. Nähre Information zu den Bewerbungsbedingungen werden auf den Seiten des Hochschulreferats Studium und Lehre bereitgestellt.

Quellen

Bayerische Akademie der Wissenschaften. (2007). www.badw.de. Abgerufen am 14. 05 2019

Herrmann, W. A. (o. A.). Geschichte – Personen. Lehrstuhl für anorganische Chemie. Technische Universität München. Abgerufen am 16. 05 2019 von www.aci.anorg.chemie.tu-muenchen.de

Hochschulreferat Studium und Lehre. (2019). www.lehren.tum.de. Abgerufen am 13. 05 2019 von https://www.lehren.tum.de/themen/lehrpreise/ernst-otto-fischer-lehrpreis/

Wikipedia. (2019). www.wikipedia.org. Von https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Otto_Fischer abgerufen

1 Kommentar zu “Wer war eigentlich… Ernst Otto Fischer?”

  1. Richard

    Ernst Otto Fischer war eine Koryphäe in der Chemie. Seine Entdeckungen waren so bahnbrechend, dass er eigentlich noch viel zu unbekannt der heutigen Gesellschaft ist.

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