Wer war eigentlich… Hans Fischer?

„Wissen Sie, wenn die Sache so aussieht, ist es meistens Mist.“ – Mehr oder weniger lehrreiche Worte des bedeutenden Chemikers Hans Fischer, der mit seinem ungewöhnlichen Elan Mitarbeiter und Studierende für die Chemie begeisterte. Der Nobelpreisträger war eine Persönlichkeit, die sich nicht jedem sofort erschloss, keine auf den ersten Blick faszinierende Erscheinung, doch für alle, die ihn näher kennenlernten war er imponierend, Respekt einflößend und vor allem liebenswert. 

(Hans Fischer im Jahr 1930, Quelle: Wikipedia)

(Hans Fischer im Jahr 1930, Quelle: Wikipedia)

 

Sein Lebenswerk ist die Aufklärung der wichtigsten Pyrrolfarbstoffe und ihre Synthese. In mehr als 500 Veröffentlichungen sind die Ergebnisse der Arbeiten von Hans Fischer und seiner Mitarbeiter niedergelegt, zahlreiche neue chemische Verbindungen sind in seinem Werk dargestellt worden. Seine Forschung bildet das solide Fundament der organischen Chemie. Im Jahr 1930 erhielt Hans Fischer sogar den Nobelpreis für sein Werk.

Werdegang und Schicksalsschläge

Hans Fischer wurde am 27.07.1881 in Höchst, einem Ort, der heute zu Frankfurt/Main gehört geboren. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Wiesbaden. Er beendete seine Schulausbildung 1899 und immatrikulierte sich an der Universität von Lausanne, wo er Vorlesungen in Chemie und Medizin hörte. Von Lausanne wechselte Fischer nach Marburg. Dort graduierte er 1904 im Fach Chemie und 1906 in Medizin.

Bereits in jungen Jahren trafen Hans Fischer viele familiären Schicksalsschläge: Seine Mutter starb bereits 1912, seine Schwester starb im Kindbett und der Schwager fiel im ersten Weltkrieg. Ein besonders einschneidendes Erlebnis ereignete sich auf einer gemeinsamen Bergtour, bei der sein Vater tödlich verunglückte. Vor den Augen seines Sohnes stürzte er in eine Gletscherspalte. Dieses schreckliche Erlebnis hat ihn sehr geprägt und seine Persönlichkeit stark beeinflusst.

Nach dem Tod seines Vaters ging 1918 Hans Fischer als Professor nach Wien und wechselte schließlich 1921 wieder zurück nach München. Bis zu seinem Tod blieb er nun an der Technischen Universität in München und lehrte und forschte in organischer Chemie.

Sein Lebenswerk

An der Technischen Universität in München beginnt er sofort einen großen und straff organisierten Mitarbeiterstab aufzubauen, der in Leistung und Ausstattung industrielle Maßstäbe erreicht. Sein Hauptinteresse und auch seine größten Forschungserfolge lagen auf dem Gebiet der Untersuchung der Struktur von Pyrrolfarbstoffen („farbige Pigmente“), die in Körperflüssigkeiten des Menschen, z. B. Gallensaft oder Blut vorkommen. Der Ursprung des Namens „Pyrrol“ kommt aus dem Griechischen (pyrros = feurrot).

Zur Aufklärung der Zusammensetzung der Pyrrolfarbstoffe zerlegt Fischer diese durch definierte Reaktionen in kleinere Bruchstücke, deren Struktur wiederum durch Synthese bewiesen werden muss. Auf diese Weise entsteht ein Überblick über die gesamte Chemie des Pyrrols, die von Fischer in einem dreibändigen Werk niedergelegt wird. Die Synthese der Pyrrolfarbstoffe ist wegen der immens vielfältigen Reaktionsmöglichkeiten der beteiligten Moleküle eine äußerst schwierige Aufgabe. Die erste Synthese eines Porphyrins (bestehend aus einzelnen Pyrrolringen) ist 1926 ein enormer Erfolg.

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(Hans Fischer in seinem Laboratorium, Quelle: Hans-Fischer Gesellschaft)

 

Im Jahr 1929 erforschte er die Zusammensetzung und Struktur des Hämins, eines Bestandteils des roten Blutfarbstoffes. Roter Blutfarbstoff, Hämoglobin, besteht aus zwei Komponenten, einem Eiweißanteil, dem Globin und einem Nicht-Eiweißanteil mit einem Eisen (II)-Ion in der Mitte, dem „Häm“-Komplex.

Weiterhin klärte er 1935 auch die Konstitution des grünen Blattfarbstoffs der Pflanzen, des Chlorophylls auf. Das pflanzliche Chlorophyll ist ein grüner Farbstoff, der ähnlich dem Hämoglobin strukturiert ist. Es besteht ebenfalls aus zwei verschiedenen Anteilen, von denen einer ganz ähnlich dem „Häm- Komplex“ ist, nur dass sich in der Mitte des Komplexes Magnesium statt Eisen befindet.

1929 wurde ihm die „Liebig Medaille“ für die Erkenntnisse über Bilirubin und Hämoglobin zugesprochen. Letztlich erhielt Hans Fischer im Jahr 1930 für seine Forschungen den Nobelpreis für Chemie.

Anekdoten

Das Bild der Persönlichkeit Hans Fischers wäre nicht vollständig, würde nicht eine der unzähligen Anekdoten erwähnt, die sich um ihn ranken und die er inspiriert hat:

Hans Fischer ist gerade damit beschäftigt, für ein Experiment einige Ratten vorzubereiten. Der Vertreter einer Studenten-Verbindung erscheint, um ihm eine Einladung zu überreichen. Bevor er ein Wort anbringen kann, packt Hans Fischer eine unruhige Ratte, „Da halten Sie mal!“. Der Student hält – offensichtlich wenig angetan – mit weitausgestreckten spitzen Fingern und verzogenem Gesichtsausdruck die Ratte an der Schwanzspitze baumelnd und wartet geraume Zeit, bis er von dem Tier erlöst wird.

Letztes Lebensjahr

(Quelle: Hans-Fischer Gesellschaft)

(Quelle: Hans-Fischer Gesellschaft)

 

Am Ende des zweiten Weltkrieges liegt Hans Fischers Institut in Trümmern und eine Wiederaufnahme der Forschung scheint erstmals ausgeschlossen. In einem Gespräch über die zukünftigen Möglichkeiten, im März 1945, sagte ihm ein junger Kollege, er könne doch mit Hilfe seiner Schüler in der Industrie und vor allem auch im Ausland bald wieder seine Forschungen aufnehmen. Er sagte nur „Ich kann nur hier arbeiten und werde das nicht mehr Erleben“. In Depression über die Zerstörung seines Instituts entschloss sich Hans Fischer dazu, kurz darauf am Ostersamstag 1945 seinem Leben ein Ende zu setzen.

 

Quellen:
http://www.ch.tum.de/oc1/History/HansFischer.htm (letzter Aufruf 06.04.2018)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fischer_(Chemiker) (letzter Aufruf: 09.04.2018)
https://www.hans-fischer-gesellschaft.de/ Das_Leben_und_Wirken_Hans_Fischers(1).pdf
https://www.tum.de/Broschuere_Die_TUM_in_der_NS-Zeit.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrol (letzter Aufruf 16.04.2018)

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